Genderforschung und die Ängste mancher katholischer

Geistlicher in Polen und weltweit sind Thema von „Tag für Tag“ (Deutschlandfunk, 9.12.2016). Dazu gibt es ein zweigeteiltes Interview mit Dr. Gerhard Schreiber. Schreiber erklärt darin, was man unter „Gender“ eigentlich genau versteht und warum es wichtig ist, dass betroffene transsexuelle Menschen wahrgenommen und einbezogen werden, wenn es um dieses Thema geht. Er stellt dar, warum sein Buch (Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften – mehr dazu hier) über 700 Seiten zu diesem Thema enthält, wie sich Biologie (Neurowissenschaften) und Geschlechtsrolle ergänzen und wie das alles helfen kann, Akzeptanz von transsexuellen Menschen zu erreichen und Diskriminierungen abzubauen. Wie sehr Diskriminierung weltweit Thema ist, sieht man schnell, wenn man den TDOR Bericht 2016 liest, zu dem es in deutscher Sprache viele Informationen bei blue.fm von Christian Knuth gibt. Auch die europäische Agentur für Grundrechte weist deutlich auf Defizite im Blick auf grundlegende Menschenrechte sowohl allgemein im Blick auf Frauen als auch insbesondere LGBT Menschen hin.

Wenn man hört, wie in Polen kath. Geistliche Horrorszenarien aufbauen und letztlich dadurch aktiv dazu beitragen, dass Menschen diskriminiert werden, empfindet man dagegen Gerhard Schreibers Position ein sachlicher, wohltuender Gegenpol.

Die Sendung (Audio) findet man hier im Internet. Die Interviews als Text hier.

Der Deutschlandfunk berichtete bereits unter der Überschrift „Entmoralisierung der Geschlechterfrage“ ausführlich über die internationale, interdisziplinäre Konferenz, Kirchenpräsident Volker Jung (den Dr. Schreiber im Interview erwähnte).

Zur sogenannten „Frühsexualisierung“ und der „Gender-Ideologie“ habe ich bereits an anderer Stelle im Blog geschrieben (ggf. Suche benutzen!)

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Eine Antwort zu Genderforschung und die Ängste mancher katholischer

  1. Sabrina schreibt:

    Lieber Herr Dr. Schreiber,
    Ihrer wie immer sehr differenzierten Sichtweise und Beschreibung von „Geschlecht“ und „geschlechtlicher Vielfalt“ stimme ich voll und ganz zu. Es wäre wünschenswert, wenn dies die Grundlage der „Gender-Forschung“ wäre; das ist aber aus meiner Übersicht in diesem Bereich weitestgehend nicht der Fall.
    Sie haben zu Recht klar gemacht, daß unser deutscher Geschlechts-Begriff ungleich mehr umfasst als dies der „gender“-Begriff=“soziale Geschlechts-Rolle“ nahelegt. Schon deshalb ist dieser reduktionistische Begriff, der aus einem eben solchen Umfeld eines behavioristischen Psychologen (John Money) stammt, aus meiner Sicht absolut deplatziert, und führt in seiner Konsequenz zu vielfältigen und teilweise gravierenden Problemen, insbesondere für (klassisch) transsexuelle Menschen, wie man sie vor 40 Jahren nannte mit einer klaren Diskrepanz-Wahrnehmung ihres Geschlechtswesens und -wissens einerseits und ihrer genitalen Ausprägung andererseits (meine jüngste Begriffsprägung hierfür: Neuro-Genitales-Syndrom=NGS), also von Menschen mit einer eindeutigen binären Verortung, und denen gegenüber andererseits das zahlenmäßig schon immer, etwa im Verhältnis 10:1 dominierende Spektrum derer stand, die man seinerzeit als „Transvestiten“ bezeichnet hat, die sich demgegenüber heute weitgehend gerne und vielmals mit viel politischem Wohlwollen gefördert als Transgender, Transident, Trans*, outen, deren gefühltes Geschlechtswissen weitgehend in Übereinstimmung mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht ist. Diese Betroffenen haben eine psychosoziale Geschlechts-Rollen-Problematik, die mit dem „gender“-Begriff vieleicht angemessen beschrieben werden kann.
    In der Vermengung und Vereinnahmung von Transsexuellen Menschen (NGS) mit der Tans*-Community liegen aber reale und bereits real gewordene gravierende Gefahren für die Erstgenannten.
    So haben Menschen aus dem Bereich der Trans*-Community inzwischen auch gerne den Begriff Transsexualismus für sich vereinnahmt, z.B. immer dann, wenn es um die Schaffung von „dritten Toiletten“, Einforderung spezieller Badezeiten, rechtlichen und medizinischen Leistungen nach dem TSG etc. geht. Demgegenüber kommt aber aus dem Kreis, zumindest nahezu unisono von deren Lobbyvertretern, seit geraumer Zeit und an Intensität zunehmend der offene aggressive Angriff auf klassisch transsexuelle Menschen, durch Lächerlichmachung, Absprechung ihres Mann-/Frauseins, da man offensichtlich sein eigens Gefühls-Erleben auf klassisch transsexuelle Menschen überträgt.
    Diese Diskriminierung setzt sich fort bis in Kreise wie die de „Anti-Dikriminierungsstelle des Bundes“, in der viele klassisch transsexuelle Menschen leider nur eine entsprechende Diskriminierungsstelle gegen sich sehen können.
    Es würde mich sehr freuen, wennn Sie, lieber Herr Dr. Schreiber, der Sie als neutraler und ausgewiesen differenzierter und hochkompetenter und von den verschiedenenen Seiten hochgeschätzter Vertreter sich der von mir skizzierten Bedrohungslage einmal annehmen könnten.
    Weitergehende Informationen hierzu können Sie auch gerne über die organisierten Vereine „VTSM=Vereinigung TransSexueller Menschen e.V.“, sowie „ATME e.V“ erhalten.

    Mit herzlichem Dank und allen guten Wünschen für Sie verbleibe ich für heute
    Sabrina

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