es gibt keine guten Alternativen

zur evidenzbasierten Medizin und Forschung – denn wer meint, alternative Verfahren seien automatisch besser, der sollte sich diesen Film ansehen:

Krebs – Das Geschäft mit der Angst
Gefährliche Folgen alternativer Behandlung

Mi. 1.6., 20.15 Uhr, SWR

Mehr zum Film hier auf tvinfo oder in anderen Programmzeitschriften…

Was ist die Alternative zu angeblich alternativen Heilverfahren? Immanuel Kant sagte einmal:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
(Quelle: Spiegel online, Projekt Gutenberg)

Darum ist es gut, sich seines Verstandes zu bedienen und sich über evidenzbasierte Medizin zu informieren. Ein sehr lesenswertes und gut verständliches Buch, das man als Grundlage verwenden kann, hat den Titel: Epidemiologie für Dummies (Hrsg.: Jürgen Breckenkamp, Oliver Razum und Patrick Brzoska). Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler schrieb hier bei socialnet eine sehr lesenswerte Rezension des Buches, der ich aus eigener Lektüre nur zustimmen kann. Man bekommt durch dieses Buch die Grundlagen vermittelt, wie seriöse Forschung bzw. Studien dafür sorgen können, dass in der wissenschaftlichen Medizin Scharlatane wenig Chancen haben.
Wer verstanden hat, welche Bedeutung Kohortenstudien für die Frage nach „Ursache“ und „Wirkung“ haben, der wird sehr skeptisch im Blick auf manche angeblichen Heilungserfolge. Schließlich hat ja auch der Klapperstorch und die Geburtenrate keine kausalen Zusammenhang, obwohl man entsprechende tolle Grafiken gut konstruieren kann, die einen „wissenschaftlichen Beweis“ für diese Zusammenhänge liefern – aber in Epidemiologie für Dummies kann man sehr plastisch nachlesen, wie solche „Studien“ getürkt werden können (vgl. S. 249-251). Auch die Frage, ob „fernsehen dick“ (S.252) macht oder „Kaffee krebserregend“ (S.253) ist und was das mit dem Schlagwort „Confounder“ zu tun hat, findet man in diesem Buch sehr plastisch beschrieben. Ebenso wird Sir Archibald Leman Cochrane und die nach ihm benannte Cochrane Collaboration erwähnt und in ihrer Bedeutung für das Gesundheitswesen gewürdigt (vgl. S.327). Ich habe andernorts in diesem Blog mehr zu Cochrane (und GRADE) geschrieben (s. Suche oben rechts bzw. Schlagwortwolke).

Sehr lesenswert als Überblick zum Thema „Epidemiologie“ ist auch der dazu passende Wikipedia-Artikel.

Es wäre sehr hilfreich für die Gesellschaft, wenn Juristen und Theologen, die sich mit dem Bereich Public health/Gesundheitswesen/Diakonie/Heil/Heilung auseinandersetzen, sich auch mit der evidenzbasierten Medizin beschäftigen bzw. Fortbildungen dazu bekommen bzw. organisieren.

Update: Eine nette Glosse findet man in der Süddeutschen Zeitung vom 9.12.2016

Die Bedeutung klinischer Studien im Unterschied zur „real world evidence“ betont die Süddeutsche Zeitung in einem Beitrag vom 19.12.2016 – >>“Die FDA war ein Leuchtturm. Heute streitet sie mit der EMA um die Wette, wer am schnellsten Medikamente auf den Markt bringt.“<< so Stefan Lange vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Update 15.3.2017 Die Journalistin Claudia Ruby wurde am 10.03.2017 für den SWR-Fernsehbeitrag „Krebs – Das Geschäft mit der Angst. Gefährliche Folgen alternativer Behandlung“ mit dem Journalistenpreis „Evidenzbasierte Medizin in den Medien“ ausgezeichnet. Mehr dazu hier in der Meldung des deutschen Netzwerks evidenzbasierte Medizin…

 

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