Wenn Frauen verhüten wollen

gehen sie zum Hausarzt oder Frauenarzt und lassen sich die Pille verordnen (oder verhüten mit einem anderen Verfahren). Es gibt ein paar Informationen über mögliche Nebenwirkungen, ansonsten aber gibt es keinerlei Probleme oder bürokratische Hürden, Hormone (auf denen ja die Pille basiert) über Jahre hinweg per Rezept und Krankenkassenfinanzierung zu bekommen.

Update 3.8.2014: Dank Tinas Kommentar der Hinweis: Die Pille ist in der Regel keine Kassenleistung der GKV mehr (war es m.W. in den 1990er Jahren noch).

Seltsamerweise scheinen transsexuelle Frauen und transsexuelle Männer, die ebenfalls Hormone wollen bzw. dringend brauchen, um ihren Leidensdruck zu vermindern, einen anderen Status aus Sicht der Gesundheitspolitiker zu haben – wie erklärt man sonst, dass sie erst einmal zu einem Psychiater gehen müssen (meist bekommt man erst nach 2-3 Monaten einen Termin) und dann mindestens 6 Monate „Therapiebesuche“ nachweisen müssen?
Diese Pathologisierung funktioniert rational logisch nur dann, wenn man meint, Geschlecht durch das Genital- bzw. Chromosomengeschlecht von Außen „objektiv“ bestimmen zu können. Dass es dabei zu Fehlern kommt, zeigt sehr leidvoll die Geschichte intersexueller Menschen. Dass diese Form der Fremd-Geschlechtsbestimmung auf Grund der Beobachtung total schief liegen kann, zeigt aber auch all das, was zum Thema „Hirngeschlecht“ seit 1995 an neurobiologischen Forschungen publiziert wurde.
Dr. Haupt hat in „Drei Jahre Altdorfer Empfehlungen – eine Bilanz“ auf Seite 17 sehr plastisch und verständlich formuliert, wie Hirngeschlecht individuell ausgeprägt ist und damit den Aufsatz „Sie sind ihr Gehirn“ weiter entfaltet und noch verständlicher formuliert.

Update 12.10.2016: Vom deutschen Frauenrat kam die Information, dass profamilia bedürftige Frauen (SGB II, SGB XII, § 6a BKGG, BAföG, Berufsausbildungshilfen BAB, WohngeldG oder Asylberwerberleistungsgesetz) finanziell beim Kauf von Verhütungsmitteln entlasten will und dafür einen Etat für 3 Jahre bekommen hat.

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3 Antworten zu Wenn Frauen verhüten wollen

  1. Katrin Meyer schreibt:

    In der heutigen Zeit würde es als befremdlich erscheinen, wenn eine Frau die hormonelle Verhütung beansprucht, zuerst einem Therapeuten beweisen müsste, dass sie nicht an einer Schizophrenie- oder Borderlinestörung leidet, sondern einfach nur verhüten will. Aber vor 50 Jahren war das Thema heiß umkämpft. Da haben selbsternannte Interessengruppen und die Vertreter von religiösen Gemeinschaften von Mord gesprochen und die Freigabe von Verhütungsmitteln jahrelang blockiert und der Gebrauch war unter Strafe gestellt. Die geistigen Erben dieser Gruppierungen sind heute auch noch unterwegs und meinen zu wissen, was das Beste für transsexuelle Menschen ist. Man treibt Menschen wegen der eigenen und vermeintlich unfehlbaren Ideologien gezielt ins Unglück und kassiert nebenbei auch noch prächtig ab.

    Unterstellt man heute einer Frau Mordabsichten wegen der Hormoneinnahme, so erfüllt dies einen Strafbestand, aber vor 50 Jahren durfte die Mordabsicht ungesühnt angenommen werden. Und so können Psychiater und Therapeuten mit Transsexuellen heute noch nach eigenem Belieben umgehen, obwohl die gleiche Vorgehensweise bei anderen Gesellschaftsgruppen eine Straftat wäre. Und das Schlimme ist, dass Transsexuelle noch nicht einmal rückwirkend bei den sich jetzt abzeichnenden Änderungen einen Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld für das Leid in der Vergangenheit haben. Aber stimmt das wirklich? Warum nimmt denn eigentlich keine der selbsternannten Vertretungen von Transsexuellen, wie DGTI usw., den Faden auf und fordert rückwirkend Gerechtigkeit und Geld für angetanes Leid. Hatten doch diese Vertreter immer geglaubt, dass das was jetzt durch die EU geschasst wird rechtens war! Transsexuelle sind Menschen zweiter oder dritter Klasse!! Man darf uns ungestraft ausnehmen und quälen, ohne dass man Konsequenzen zu befürchten hätte.

    Katrin

  2. tina201301 schreibt:

    Die Pille ist für Frauen ab 20 auch nicht kostenlos, siehe hier: http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/01/30/kontrazeptiva-auf-kassenrezept/9309.html.
    Ein besserer Vergleich wäre m.E. die gleichgeschlechtliche Hormonbehandlung, z.B. in den Wechseljahren, bei Ovarektomie oder allgemein bei zu geringem Hormonspiegel.

    Dann wird deutlich, dass _gleich_geschlechtliche (aus Sicht der Medizin) Behandlung immer problemlos und angezeigt ist, gegengeschlechtliche jedoch besonderer Begründung bedarf.

    Im Gegensatz zu vielen anderen glaube ich nicht, dass eine erleichterte Veränderung des Geschlechtseintrags hier eine Verbesserung bringen würde, weil der dann den Mediziner_innen egal sein wird. Sie schauen auf den Körper (und im Wesentlichen nur da hin), sehen einen Penis und erwarten einen hohen Testosteronwert und umgekehrt. Deswegen wollen sie immer eine besondere Begründung haben, wenn das mal anders sein soll.

  3. Magdalena schreibt:

    Ja die hormonelle Verhütung (also nicht nur Pille, sondern auch die ganzen Alternativen, die Hormone enthalten) ist nur ein mittelgutes Beispiel.
    Viel spannender find ich die Tatsache, wie einfach cis Menschen – oder zumindest cis-Frauen an Hormone kommen, nur weil ihr regulärer Hormonspiegel sich außerhalb der medizinischen Norm befindet… Da geht das dann ganz schnell mit dem Hormone verschreiben, um wieder in die Norm zu passen…

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