Bibelworte

gibt es ja bekanntlich viele. Manche sprechen einen zu bestimmten Zeiten an, ärgern einen, sind unverständlich oder man möchte mit jemandem darüber reden. Andere Bibelworte sind von sich aus leuchtend und hell wie die Sonne an einem schönen Frühlingstag. Ein Bibelwort, dass mir heute morgen nicht aus dem Kopf geht, findet sich bei Jesaja Kapitel 58 (ab Vers 9b): „Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden läßt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ (Quelle: Die Bibel, Lutherübersetzung 1984, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart).
Ich finde dieses Bibelwort deshalb so schön, weil es alle Menschen betrifft und letztlich – wenn wir es versuchen umzusetzen – zu mehr Freiheit, mehr Gemeinschaft, mehr sozialer Gerechtigkeit und mehr Demokratie führt. Gleichzeitig ist es eine Zusage für jeden Menschen, auch in schweren Zeiten sich anderen zuzuwenden anstatt im negativen Sinn auszuteilen. In gewisser Weise entspricht es dem Modell der „gewaltfreien Kommunikation“ des Psychologen Marshall Rosenberg, der ja auch versucht, Menschen in schweren Konflikten zu helfen, nicht auf andere mit Fingern zu zeigen, sondern die „Giraffensprache“ zu erlernen bzw. „Giraffenohren“ aufzusetzen. Mehr zu ihm und – indirekt auch zu dem Bibelwort – auf der Internetseite der Advanced Journalism Akdademy (AJA) hier.

Die Frage, die mich bei diesem Text auch bewegt: Woher bekommt man die Kraft, aus einem Kreislauf von gegenseitigen Verletzungen (und wenn sie „nur“ verbaler Art waren, reicht das oft auch schon, um das Leben mühsam zu machen) auszusteigen? Nicht in jeder Lebenslage hat man einen Mediator wie M. Rosenberg zur Verfügung, auch wenn ich (z.B. im Blick auf schwierige Beziehungen in einer Ehe/Partnerschaft) explizit auf die Beratungsangebote von Diakonie und Caritas hinweisen will, die schon vielen Menschen geholfen haben. Oft gibt es in diesen Einrichtungen Mediatoren oder Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter, die eine Schulung für gewaltfreie Kommunikation besucht haben. Aber geht es auch ohne?
Die Bergpredigt Jesu gibt einen Anhaltspunkt. Jesus sagt (Mt 7,7): „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Nun könnte man sagen: Gott ist doch kein Automat, der Gebete erhört und wenn es mit einem Menschen Probleme gibt, dann braucht man doch dafür kein Gebet… – doch interessanterweise steht diese Aufforderung zum Gebet in einem Zusammenhang, in dem es genau wie bei Jesaja 58 um die Frage des „über andere richtens“ geht (Mt 7,1-5). Und in Konfliktsituationen ist man ja sehr schnell dabei, den „Splitter“ im Auge des Anderen zu betonen bzw. mit Fingern auf ihn/sie zu zeigen usw… – und dann geht das umgekehrt meist auch sehr schnell entsprechend weiter. Unter den Gruppen, in denen transsexuelle Frauen oder Männer sich austauschen, gibt es manchmal Streit um Begriffe (dazu habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben).  Mir aber ist es ein Anliegen, für Versöhnung und Aussprache einzutreten (vgl. 2 Kor 5,17-21) – sowohl zwischen TS, als auch zwischen TS und denen, die über sie reden statt mit ihnen – und natürlich in den vielen Alltagssituationen, in denen ich selbst gefragt bin.
Anscheinend ist also dem, der dieses Wort Jesu im Matthäusevangelium an diese Stelle aufgenommen hat, eine ähnliche Situation wichtig gewesen, auf die er/sie eine Antwort suchte und fand. Denn: Das Bibelwort gibt es bei Lukas auch in einem etwas anderen Zusammenhang (Lukas 11,9). Dort geht es um den  Alltagsbezug (Lk 11,5ff), die Bitte um den Heiligen Geist (Lk 11,13) und die Ermutigung, aktiv auf Menschen zuzugehen und sie um einen Gefallen zu bitten (eine Stelle, die für alle, die Fundraising betreiben wollen, zum Pflichtprogramm gehört – denn viele sagen ja: Ich will doch nicht um Geld bitten / betteln – selbst wenn es für einen guten Zweck ist).

Jesaja 58 bewegt mich auch deshalb, weil mir der Gemeindeaufbau wichtig ist. Viele fromme Menschen in unserem Land hoffen auf eine Erweckung. Wer dieses Bibelwort leben will, kann darauf (und auf Gemeindeaufbau) hoffen, denn in Vers 12 gibt es eine wundervolle Verheißung: „Es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat.“

Noch ein Bibelwort kann eine kleine Anleitung dafür sein, wie man Konflikte deeskalieren kann. Man lese dazu Matthäus 18,15-20.

Ein Gebet am Ende:

Guter Gott,
hilf mir an diesem Tag, den Du mir schenkst,
die Balken vor meinem eigenen Auge zu entdecken und
schenke mir die Liebe und die Kraft, heute neu zu verzeihen und neu auf
andere zuzugehen.
Amen

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