warum mir „Transpapa“ nicht gefällt…

„Solange – insbesondere mein Gesicht – noch männlich wirkte, erfuhr ich auch nicht wirklich wie es ist als Frau von anderen angenommen zu werden. Was ich erfuhr war, wie es ist von Leuten angestarrt und als schwule Tunte vorverurteilt zu werden…“ schrieb Keydie Lin hier. Leider nahm der Film „Transpapa“ (inzwischen nicht mehr online anzusehen) auf solche TS-typischen Probleme keine Rücksicht, denn der Hauptdarsteller war keine Transfrau, sondern ein genitalgeschlechtlicher Mann in Frauenkleidern. Entsprechend wundert es nicht, wenn die Tochter (Maren) sich für ihren Transpapa schämt und Fremde ihn als „geigenspielende Transe“ verunglimpfen. Es passt einfach nicht zusammen, wenn Sophia angeblich die Tochter mit 10 Jahren verlassen hat, um ihr Geschlecht anzugleichen und dann 5 (!) Jahre später immer noch offensichtlich keine Feminisierung des Gesichts erlebt hat. Klar: Ohne Hormontherapie geht so was nicht. Deshalb ist es ein Grundproblem des Films, die Hauptrolle nicht mit einer Transfrau zu besetzen – die hätte anders agieren können.

Was außerdem noch bedauerlich ist: Die Sprachlosigkeit zwischen Sophia und Maren und die üblichen Klischess (z.B. Sophia koche besser als die Mama von Maren). Besonders daneben finde ich auch die Betonung der Sucht („Gras rauchen“, Zigaretten…). Es sollte wohl dargestellt werden, dass TS in der Regel massive Probleme haben (z.B. Sucht). Leider zeigte der Film nicht auf, wie Ursache (Differenzerfahrung von Hirngeschlecht und Genitalgeschlecht) und Wirkung (Sucht in Folge von nicht behandelter TS) zusammenhängen können (aber eben auch nicht müssen, denn es gibt genug TS, die keine Probleme außer der Differenzerfahrung haben und das ist schon mehr als genug).

Bei der Vergabe von Filmfördergeldern zu solchen transsexuellen Themen sollten jedenfalls transsexuelle Menschen gefragt werden, ob sie ein entsprechendes Drehbuch auch fördern würden.

Zum Einsatz im Verleih einer Medienzentrale sollte der Film nur dann kommen, wenn auf solche Probleme hingewiesen wird und ggf. zum Thema „Hormonersatztherapie und Feminisierung des Gesichts“ auch Materialien vorhanden sind.

Hilfreich und anregend – auch wenn es nicht speziell um Transsexualität geht, sondern um die Frage der Inklusion und der Gleichberechtigung – finde ich die Sendung Zitronenwasser auf youtube zur ORF Aktion „Licht ins Dunkel“

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2 Antworten zu warum mir „Transpapa“ nicht gefällt…

  1. Keydie Lyn schreibt:

    Hallo Doro,

    hinsichtlich des Films habe ich auch gar nichts Anderes erwartet.

    Das Problem ist, dass lieber ÜBER „transsexuelle Menschen“ geschrieben, gesprochen und was weiß ich wird, aber kaum MIT ihnen.

    Und dann haben wir ja leider noch das Problem, dass viele, die sich für „transsexuell“ selbst diagnostizierten, es ja gar nicht wirklich sind.

    Also selbst dann, wenn man sich an „transsexuelle Menschen“ gewandt hätte, wäre die Chance sehr groß gewesen, eben nicht auf einen „transsexuellen Menschen“ im ursprünglichen Sinne zu treffen, sondern auf eine der Sozial-/Pseudo- oder Lifestyle-Transsexuellen – oder wie man sie auch immer nennen mag.

    Liebe Grüße

    Keydie Lyn

  2. Admin schreibt:

    Ich weiß auch nicht, wie man richtig mit dem Thema umgehen soll. Falls „Richtig“ darin überhaupt ein passendes Wort ist.

    Deutsche Filme arten mir für mein Geschmack meist in so ein ulkiges überproblematisieren und einer Mischung aus Familiengeschichten mit Peter Weck und Thekla Wied aus. Da ist immer so eine Mischung aus Lächerlichkeit und Fremdschämen.

    Ich fände eine Mischung aus Humor und nötigen Ernst sehr schön, wenn es ein Spielfilm sein soll. In „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ dem 2. Teil finde ich das ganz gut gelöst. Ich finde dort nehmen sich alle ernst, haben tonnenweise Problem aber nie wirkt jemand lächerlich, obwohl ich mich sehr gut amüsiert habe. Vielleicht ist das ja mal ein möglicher Weg.

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