„Ich hatte in 2 Jahren knapp 11 Operationen“,

so Benjamin Melzer in einem youtube-Werbespot von Mercedes Benz. Sowohl er wie Nina Jaros und andere transsexuelle Menschen brauchen eine gute präventiv-medizinische Versorgung. Denn die Hormonbehandlung wie chirurgische Maßnahmen helfen uns, endlich wir selbst zu sein.
Leider haben viele transsexuelle Menschen Stress mit der Krankenkasse und dem MdK. Anette Güldenring erklärte das in diesem Blog an anderer Stelle einmal ausführlicher und weiter unten zitiere ich sie.
Darum brauchen wir aber auch die Unterstützung durch die Bevölkerung und die Politik, die im Gesundheitswesen wie auch im rechtlichen Bereich viel verbessern muss, wie die Rechtsgutachten der IMAG (interministerielle Arbeitsgruppe der Bundesregierung – mehr zu den Gutachten bei Queer.de hier und in meinem Blog hier) gezeigt haben und wie ich es im Interview hier näher erklärt habe. Und darum freue ich mich über alle, die die Petition für ein besseres Transsexuellenrecht unterstützen und darauf hinweisen und die Petition oder diesen Artikel teilen! Das #Selbstbestimmungsgesetz ist unter anderem wegen §6 ein echter Fortschritt gegenüber dem veralteten Transsexuellengesetz.
Danke!

Nun zu Anette Güldenrings Aussagen:

Sie kritisiert im Artikel „Zur Psychodiagnostik von Geschlechtsidentität“ (Zeitschrift für Sexualforschung 2013, 26) das Gutachtenverfahren im TSG mit deutlichen Worten:

Wichtigste Instanzen, die die Grenzen für transidente/transsexuelle Menschen definieren, sind die Kostenträger des Gesundheitssystems, die psychomedizinischen Disziplinen und der Gesetzgeber, der mit dem Transsexuellengesetz (TSG) die Modalitäten für eine Vornamens- und Personenstandsänderung ( und ) vorgibt. Das TSG ist seit 1981 in Kraft und trotz unermüdlicher Widerstände seither nicht reformiert worden. Es ist sträflich überaltet.“ (S.160)

Güldenring zeigt in ihrem Aufsatz,

„dass die psychodiagnostischen Methoden jeder theoretischen Grundlage entbehren, die eine objektive Diagnostik geschlechtlichen Emfindens im Rahmen menschlicher Wahrnehmung zulassen würde. Diese fehlende Wissensbasis könnte u.a. Hintergrund für die sich über die Periode des TSG zunehmenden Verwicklungen und Rollenkonfusionen zwischen Medizin/Psychologie und Rechtssystem sein, die immer noch nicht offen diskutiert werden.“ (S.160f).

Güldenring fährt fort:

„Die Fremddiagnostik […] wie sie im TSG-Verfahren praktiziert wird […] ist keinen Tag länger zu vertreten“ (S.161f.)

Im Blick auf das TSG schreibt Güldenring, dass der Gesetzgeber

„nicht danach gefragt hat, ob diese >>transsexuelle Prägung<< Wertigkeit einer krankhaften oder seelischen Störung hat […]. Daraus ist zu schließen, dass ein Krankheitsaspekt […] für eine Entscheidung zur VÄ und PÄ nicht von Belang ist. Und obwohl nun der Krankheitsaspekt nicht von Belang ist, ist es in der TSG-Gutachtenpraxis zur Gepflogenheit geworden, […] nach der Lehre der Psychopathologe zu begutachten.“ (S.162)

Das das TSG Verfahren von vielen transsexuellen Menschen als rein subjektive Willkür der Gutachter erlebt wird, bestätigt Güldenring ebenso:

„Geschlechtsbestimmung unterliegt gesetzlich delegiert der rein subjektiven Blickweise des/der Gutachter_in.“ (S. 163)

und im Blick auf die Petition will ich besonders folgende Aussage von Anette Güldenring betonen:

„Krankheitswert ist im SGB zwingende Voraussetzung, im TSG nicht.“ (S.165)

Und darum fordern wir eine Verankerung der präventiv-medizinischen Behandlung transsexueller Menschen zusätzlich zu §6 des Selbstbestimmungsgesetzes auch im Sozialgesetzbuch. Dort wird auch die präventiv-medizinischen Behandlung von Frauen in einer Risikoschwangerschaft geregelt. Schwangerschaft ist wie Transsexualität keine Krankheit im eigentlichen Sinn – aber wenn man in so einem Fall keine medizinische Hilfe bekommt, treten Komorbiditäten (Folgeerkrankungen) wie z.B. Depressionen oder Suchterkrankungen etc… auf, die letztlich die Gesamtheit der Versicherten unnötig belastet. Darum macht präventiv-medizinische Versorgung transsexueller Menschen mehr Sinn, als abzuwarten, bis sie wirklich krank geworden sind und z.B. wegen einer Depression wochenlang in eine psychiatrische Klinik müssen.

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neulich wurde ich gefragt, warum der Begriff „Geschlechtsidentität“ von

manchen transsexuellen Menschen kritisch gesehen wird. Das Unbehagen mancher transsexueller Menschen / NIBD im Blick auf den Begriff „Geschlechtsidentität“ hängt damit zusammen, dass man Identität normalerweise versteht als  „vollkommene Übereinstimmung“ bei zwei gegebenen Größen (so Wikipedia zum Begriff „Identität“ – eingesehen am 18.6.2017)) bzw. Übereinstimmung von „Merkmalen“, die als „wesentlich erachtet werden“ (ebd.).
Das bedeutet im Blick auf Geschlecht meist
– eine dogmatische Setzung von zwei vorhandenen Geschlechtern;
– die Meinung, man könne für diese beiden Geschlechter klare Merkmale definieren (z.B. bei Geschlechtsverkehr gibt es Nachkommen – also ist eine Ehe nur dann „gültig“, wenn es Nachkommen gibt).

Das aber entspricht nicht der Erfahrung der Vielfalt von Geschlecht. Weder führt Geschlechtsverkehr automatisch zu einer Schwangerschaft – es gibt vielmehr viele ungewollt kinderlose Paare. Noch kann man Geschlecht biologisch klar und eindeutig messen. Das funktioniert nicht einmal – wie viele noch in der Schule lernten – im Blick auf die Geschlechtschromosomen, wie Prof. Dr. H.J. Voss (in seinem Buch „Geschlecht – wieder die Natürlichkeit“) oder Prof. Dr. M. Solms zeigen.

Ähnlich wie beim Phänomen „Licht“ meinen wir in unserem Alltagsverständnis, es sei völlig eindeutig, was Geschlecht sei. Doch das täuscht. Der Physiker Werner Heisenberg machte im Blick auf das Licht deutlich, dass man nie eindeutig sagen kann, ob Licht als Teilchenphänomen oder als Welle zu verstehen ist. Ähnliches gilt für das Geschlecht: Je genauer man hinsieht, desto schwieriger wird es, von einer Binarität von Geschlecht auszugehen (wer dazu mehr wissen will, dem sei das Buch „Das Gehirn und die innere Welt“ von Mark Solms und Oliver Turnbull empfohlen – dort gibt es ein ausführliches Kapitel, in dem Solms deutlich macht, wie Transsexualität sich im Rahmen der embryonalen Entwicklung als Variante des Menschseins entwickeln kann).

Wieso aber scheint uns die Binarität von Geschlecht so selbstverständlich, wie man sie zum Beispiel in den Schöpfungsmythen der Genesis vorfindet?

Dr. Horst Haupt erklärt das in seinem Artikel „Neurointersexuelle Körperdiskrepanz – Grundsätzliche Überlegungen in Richtung neurophänomenologischer Zugänge zu Mustern geschlechtlicher Vielfalt“ (veröffentlicht in: Gerhard Schreiber, Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften, 2016).
Dr. Haupt  macht deutlich, wie unser Gehirn letztlich sehr schnell Wahrnehmungen in Muster einteilt und einsortiert. Das gilt auch im Blick auf das Thema Geschlecht. Denn „in den letzten Jahren wurde insbesondere von den Neurowissenschaften auch das Gehirn als Geschlechtsorgan definiert.“ (ebd., S.79). Die „Wahrnehmungen meines eigenen, für mich fremden Geschlechtskörpers […] sind nicht zu objektivieren, da die Körperwahrnehmung immer durch einen subjektiven Aspekt gekennzeichnet ist. Eine Person, die ‚bei sich‘ noch nie Körperdiskrepanz wahrgenommen hat, kann wohl auch die leiblich-körperliche Qualität²⁵ der Körperdiskrepanz bei anderen nicht gänzlich beurteilen.“ (ebd. S.82)
Der Neurowissenschaftler V.S. Ramachandran (Ramachandran / Blakeslee, Die blinde Frau, die sehen kann, S. 381) erklärt an Hand eines Bildes, auf dem man zunächst nur viele Punkte sieht, dann aber bei längerer Betrachtung einen Dalmatiner, wie das Gehirn letztlich immer versucht, Muster zu finden und wenn diese einmal gefunden wurden, sich dieser Erkenntnisprozess auch nicht mehr rückgängig machen lässt. Das gilt auch im Blick auf das Geschlecht: Viele Menschen ordnen die Wahrnehmung eines anderen Menschen sehr schnell in das Muster „weiblich“ oder „männlich“ ein. Und das gilt auch für die Selbstwahrnehmung des eigenen Geschlechts:
„Wer Wahrnehmungen erlebt hat, wird daran festhalten, sie ‚brennen‘ sich gewissermaßen ‚ins Gehirn‘ ein. Von daher wird auch verständlich, wieso die Erlebnisse der Fremdheit des Geschlechtskörpers oder die ersten beglückenden, spontanen geschlechtskörperlichen Kongruenzerlebnisse künftig einmischungsresistent sind. Auch wenn z. B. Angehörige oder Partner_innen derlei als ‚Einbildung‘ zu bagatellisieren versuchen – künftig sind derartige persönliche Erfahrungen nicht mehr hintergehbar. Sie können allenfalls vorübergehend verdrängt werden.“ (Haupt, ebd. S.83) Gleichzeitig aber kann es – im Blick auf das Beispiel des Dalmatiners – viele unterschiedliche Assoziationen zu diesem Hund geben. Und das gilt auch im Blick auf die Frage der Geschlechtszuordnung.

Darum betont Haupt: „Forscher, die nach stereotypen Verarbeitungsmustern (etwa auf der Verhaltensebene) suchen, werden den vielfältigen subjektiven Möglichkeiten nicht gerecht. Es lassen sich keine Verhaltensweisen oder andere ‚Reaktionen‘ objektivieren, an denen man ‚transsexuelle Menschen‘ sicher erkennen könnte.“ (ebd., S. 84).

Im Blick auf die Ausgangsfrage nach dem Begriff der „Geschlechtsidentität“ bedeutet das, das man eben nicht klare und objektivierbare „Merkmale“ definieren kann, was männlich oder weiblich genau ist und das es schon gar keinen Sinn macht, transsexuelle Menschen auf Grund vermeintlich objektiver Merkmale begutachten zu wollen. Vielmehr muss man die Selbstaussage eines Menschen im Blick auf sein Geschlecht akzeptieren. Daher ist die Stuttgarter Erklärung und die Einführung des neuen Selbstbestimmungsgesetz auch so wichtig.
Genau deshalb braucht es auch eine gründliche Auseinandersetzung mit der Phänomenologie und der Subjektwissenschaft und qualitativ-evidenzbasierte Forschung, wenn man transsexuellen Menschen gerecht werden will.

Ich hoffe, dass nun manchen Leser_Innen deutlich wurde, warum transsexuelle Menschen / NIDB ein Unbehagen im Blick auf den Begriff der „Geschlechtsidentität“ empfinden und lieber von „Geschlecht“ reden. Das ist auch der Grund, warum bei der aktuellen Petition zum Selbstbestimmungsgesetz der Vorschlag gemacht wurde, anstelle von  „Geschlechtsidentität“ immer von „Geschlecht / Geschlechtsidentität“ zu reden bzw. im Gesetzestext lieber den Begriff „Geschlecht“ zu verwenden.

In einer facebook Gruppe gab es zum Begriff „Geschlechtsidentität“ und einer kritischen Sicht dazu folgende Kommentare:

„Wenn bei cissexuellen Menschen von Geschlecht und bei transsexuellen Menschen von Geschlechtsidentität gesprochen wird, ist das ein Problem.“

„Finde das Wort Identität aber auch schwierig. Identität ist ja etwas Wandelbares und zeigt einfach wo wir uns zugehörig fühlen. (z.B. identifiziere ich mich nicht unbedingt mehr als Anime/Mangafan, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich Animes schaue und Mangas lese. Ich sehe nur den Lifestyle dahinter nicht mehr wirklich als Part meines Lebens und fühle mich nicht wirklich der Szene so zugehörig.) (Identifikation scheint was zu sein was uns auch zeigt welcher Gruppe wir uns zugehörig fühlen, so gesehen ist Geschlechtsidentität vielleicht eher ein Wort was man bei einer Genderdiskrepanz als bei einer Körperdiskrepanz verwenden würde. Also eher dann wenn man sozial sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlt, als dann wenn man merkt Körper und Körperschema passen nicht zueinander.)“

Identität ist das Ergebnis. Aber es ist wichtiger, die Ursache oder den Kern zu benennen. Cissexuelle Menschen haben auch eine Geschlechtsidentität, aber sie reden trotzdem immer von Geschlecht. Machen wir das anders, implizieren wir, dass wir gar nicht das „eigentliche“ Geschlecht meinen, sondern eben nur so eine Identität, die davon „abweicht“. Das ist genau das gleiche Problem wie mit dem „sich als etwas fühlen oder empfinden“. Es suggeriert einfach etwas Falsches. Die Botschaft wird falsch verstanden.<<

Dr. Horst Haupt schrieb dazu:

1: die Wahrnehmung des Geschlechtskörpers (geschlechtlicher Aspekt von Gesicht und Stimme) bei anderen Personen ist beim Säugling bereits in den ersten 6 Monaten intakt und im Alter von 6 Monaten ist die individuelle Gesichtserkennung am besten entwickelt. Danach wird sie eher schlechter (Stereotypenbildung). Die Fähigkeit geschlechtliche leibliche Antworten zu verstehen, besteht also lange, bevor die Sprach- und die ICH-Funktionen einsetzen. Ein Selbst wird im Spiegel erst mit 18 bis 24 Monaten erkennt. Daher gehen die Neurowissenschaften heutzutage davon aus, dass die Alterität, also das Wahrnehmen und Erkennen des Anderen, allen Ich-Selbst-Identitätsbezogenen Funktionen vorgelagert ist.

2. Die Wahrnehmung des Körpers erfolgt, lange bevor er als „EIGENER“ Körper erscheint bzw. wahrgenommen/erkannt wird. Bei Kindern, bei denen Körperglieder von Geburt an fehlen, z.B. Amelie der Arme (also angeborenes Fehlen der Arme, Abrachie) nach einer Thalidomid-Embryopathie (Dysmelie-Syndrom), kann trotzdem die Vorstellung eines Gesamtkörperschemas entstehen, was auf das Vorhandensein einer genetischen Grundlage hinweist. Hier bestehen Phantomgliedwahrnehmungen: Phantomempfindungen sind nicht-schmerzhafte Wahrnehmungen in einem angeborenen fehlenden bzw. amputierten Körperteil. Wir wissen, dass transsexuelle Menschen Phantomgliedwahrnehmungen haben. Und zwar in beträchtlichem Ausmaß.

Es ist sicher im Weiteren zu untersuchen, in wieweit frühe Spiegelungen ausgehend vom Anderen (z.B. Bezugsperson) in den Leib hinein die innere Phantom-Schablone aktivieren. Also der, die, das geschlechtlich Andere die Phantombrüste und Phantompenisse quasi „wachküsst“. Das sind wesentliche Themen des Autographenbuchs.

Angesichts dieser Fakten sind die Diskussionen über „Geschlechtsidentität“ als wenig weiterführende Phantasien und Simulationen einzustufen. Meiner Meinung wird es Zeit, sich den eigentlichen Themen zuzuwenden: Im Zuge des Autographenprojekts werden wir die Erkenntnisse der sozialen Neurowissenschaften integrieren (–> Alterität) und auch die Literatur zu angeborenen Phantomgliedmaßen aufarbeiten. In den Autographen zeigen sich ja detaillierte Schilderungen von Phantomgliedempfindungen (Phantombrüste, Phantompenisse).

Geschlechtsidentität ist ein abzulegender alter Hut.

Hauptkritikpunkt ist bei vielen transsexuellen Menschen, dass „Idendität“ gar nicht auf die körperliche Ebene eingeht, die sie selbst als das Kernproblem (vor einer Geschlechtsangleichung) erleben. Der Begriff „Geschlecht“ selbst umfasst dagegen sehr wohl die körperliche Ebene und ist nicht nur ein mehr oder weniger theoretisches Konstrukt.
Aus ähnlichen Gründen betonen viele transsexuelle Menschen auch die „2 T“ Sprachregelung, wie man sie in der Abkürzung LSBTTIQ findet. Einerseits möchte man mit anderen zusammenarbeiten und eine Koalition bilden – andererseits geht es darum, die Eigenheiten und speziellen Bedürfnisse der unterschiedlichen Koalitionspartner zu respektieren und nicht zu verwischen (deshalb kritisieren auch viele das „*“, weil es eben nicht deutlich macht, welche Bedürfnisse eine bestimmte Gruppe hat). Transsexuelle Menschen betonen dabei sehr häufig die körperliche Notwendigkeit, sich an das neurogen verankerte Geschlecht (Hirngeschlecht) mit medizinischer Hilfe anzugleichen. Bei Transgendern gibt es dagegen auch welche, die keine oder nur eingeschränkte medizinische Maßnahmen brauchen/wollen (z.B. verstehen sich manche Crossdresser auch als Transgender, lehnen aber med. Maßnahmen ab).
Wie wichtig die körperliche Ebene und entsprechende medizinische Angleichungsmaßnahmen für transsexuelle Menschen sind, kann man auch gut mitbekommen, wenn man in der Mediathek die Sendung Nachtcafe mit Nina Jaros ansieht. Ich habe selbst in der Sendung Brückenschlag (BR Fernsehen) diese körperliche Ebene betont und Frau Dr. Bernutz, meine Endokrinologin war bereit, dazu mehr zu berichten.

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Fernsehhinweis: Fr. 16.6., 22.00 Uhr SWR

Nachtcafe zum Thema „starke Frauen“ unter anderem mit Nina Jaros, die selber bloggt und über die der Berliner Kurier und andere Medien berichteten. Als transsexuelle Frau twittert sie auch und erzählt im Blog von ihrem Kampf mit der Krankenkasse.
Ich bin gespannt auf die Sendung!

Update: Nina hat nun selbst dazu gebloggt.

Update: Wer die Sendung verpasst hat, kann sie noch hier in der Mediathek des SWR ansehen. Und noch eine Bitte: Nina wollte eigentlich auf die Petition für ein neues Transsexuellenrecht hinweisen – aber das wurde geschnitten. Darum hier der Link zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/selbstbestimmungsgesetz-selbstbestg-jetzt-beschliessen

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ich hoffe auf den Bundestag und starte deshalb

eine neue Petition zum Transsexuellengesetz und der med. Versorgung transsexueller Menschen. Man findet die Petition ab sofort hier: https://www.openpetition.de/petition/online/selbstbestimmungsgesetz-selbstbestg-jetzt-beschliessen
Es gibt ja derzeit mehrere Gesetzesvorschläge, die man als Vorlage anstelle des bisherigen Transsexuellengesetzes nehmen kann. Der Gesetzentwurf, den Volker Beck und andere grüne Abgeordnete eingebracht haben, scheint vielen TS/TI/TG mit einigen kleinen Änderungen (die im trans-alliance-Projekt dokumentiert sind) hilfreich und unterstützenswert zu sein.
Daher habe ich zu diesem Entwurf nun eine Petition erarbeitet, damit auch nach der Bundestagswahl das Thema Transsexuellenrecht auf die Agenda kommt.

Natürlich freue ich mich, wenn die Unterzeichnenden die Petition auch selbst qua Link im eigenen Blog, per facebook, Twitter, Xing oder e-mail bewerben. Der Kurzlink zur Petition lautet: http://t1p.de/zwab (markieren und mit rechter Maustaste kopieren).
Man kann auch Unterschriftenbögen/Unterschriftenlisten von der Petitionsseite aus ausdrucken und selbst vor Ort Unterschriften sammeln. Das geht erstaunlich schnell, wenn man mal 2 Stunden Zeit hat… Bitte die Bögen nicht kopieren! Sie sind durchnummeriert.

In diesem Artikel bei VICE gibt es eine kleine Übersicht zur Lage von TS/TI/TG in Deutschland und Österreich und warum Petitionen gestartet werden…
update 14.6.2017: „So befinde sich im Koalitionsvertrag ein „klares Bekenntnis“ zur Öffnung der Ehe inklusive Adoptionsrecht sowie zu einer Reform des Transsexuellengesetzes und des Personenstandsrechts auf Bundesebene.“ (Zitat von queer.de, hier zu finden)

Neuer Kurzlink: via www.wo4y.de kann man nun auch die Petition erreichen. Das ist bei Twitter noch kürzer als die http://www.t1p.de/zwab Weiterleitung…

Hier in diesem Blogartikel werde ich nun häufige Fragen (FAQ) zur Petition sammeln und durch Updates Antworten formulieren.

FAQ zur Petition

  1. „Wie steht es um die Gesundheitsversorgung transsexueller Menschen, wenn das TSG abgeschafft wird und das neue Gesetz geltendes Recht wird?“
    Die Gesundheitsversorgung wird in §6 des Selbstbestimmungsgesetzes explizit erwähnt. Durch den Änderungsvorschlag des trans-alliance-Projektes würde die Gesundheitsversorgung außerdem noch im Sozialgesetzbuch Kapitel 5 verankert werden, was vielen TS/TI/TG ein Anliegen ist.
  2. „Ich kenne mich mit dem Thema Transsexualität nicht aus – wo finde ich weitere Informationen?“
    z.B. in der Doku „Brückenschlag“, die vom BR Fernsehen aufgezeichnet wurde. Natürlich auch hier im Blog oder auf den Blogs und Internetseiten anderer TS/TI/TG bzw. der Internetseite der Goethe Universität Frankfurt, die zu einer internationalen interdisziplinären Konferenz zum Thema eingeladen hatte. 2016 wurde dazu ein Buch von Gerhard Schreiber (Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften) veröffentlicht. Ebenso gibt es die Broschüre „Reformation für alle*„, die die DGTI e.V. zusammen mit dem Bundesfamilienministerium veröffentlicht hat und die man kostenfrei dort bestellen kann bzw. als .pdf downloaden kann – oder als kleine Einführung ist das Buch von Udo Rauchfleisch „Anne wird Tom, Klaus wird Lara“ ganz lesenswert. Für die, die sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen wollen empfehle ich die 4. Auflage von Rauchfleischs Buch „Transsexualität – Transidentität“
  3. „Was bedeutet das neue Selbstbestimmungsgesetz im Blick auf intersexuelle Menschen?“
    In §6 des Selbstbestimmungsgesetzes heißt es zu allen Gesundheitsleistungen, die dieses Gesetz betrifft – also explizit diejenigen, die den „Körper modifizieren“ (was bei Genitaloperationen an intersexuellen Menschen der Fall wäre): „sind so anzuwenden, dass dem Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Person Geltung verschafft wird.“ – also erst Operationen, wenn eine Person dazu selbst ihr Einverständnis gegeben hat. Das nicht nur TS/TI/TG mit dem Gesetz gemeint sind, merkt man schon an der Vorbemerkung. Dort heißt es unter „C. Alternativen Auf den vom Deutschen Ethikrat in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2012 zur Intersexualität erörterten Vorschlag auf eine Eintragung des Geschlechts im Personenstandsregister ist zu verzichten.“
  4. „Warum werden in der Petition unterschiedliche Begriffe (transsexuell, transident, Transgender) verwendet?
    Es gibt eine große Vielfalt bei Menschen – und das gilt auch, wenn man auf das Thema „Geschlecht“ zu sprechen kommt. Menschen, die eine Geschlechtskörperdiskrepanz erleben, bezeichnen sich oft unterschiedlich. Transsexualität ist der bekannteste Begriff, im engl. Sprachraum verwendet man aber meist seit einiger Zeit dafür lieber Transgender. Im deutschen Sprachraum mögen manche lieber den Begriff „Transidentität“ und ich selbst bevorzuge “ NIBD“ als neueste Begrifflichkeit (mehr dazu in der Broschüre „Reformation für alle*“ bzw. hier in einer .pdf). Mit google findet man viele Pro- und Contra Argumente für die verschiedenen Begriffe und im „Wörterbuch“ bzw. einem dort verlinkten Beitrag habe ich auch einiges dazu geschrieben. Mir persönlich liegt aber nichts an einem Streit über Begrifflichkeiten. Viel wichtiger finde ich das Ziel, Verbesserungen für TS/TI/TG bzw. NIBD zu erreichen.
  5. Warum schlägt die Petition eine Änderung im Blick auf den Begriff „Geschlechtsidentität“ vor?
    Dazu blogge ich hier ausführlicher
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the „Stuttgart declaration“

is translated in english language. the english translation is published by Claire (trans-alliance project) here. Thank you, Claire!
The stuttgart declaration is important for german transsexual (TS) / transgender people (TG) and underlines the human rights of them. TS/TG hope for the german bundestag (German Parliament [POL.]) to change the „Transsexuellengesetz“ (TS-law). The german „Bundesrat“ (Federal Council) did make a resolution at 2 June (2017) that the Bundestag should replace the old law with a new and better.
MP Volker Beck (green party) presented a new law and others (DIMR) too. I support the trans-alliance projekt with his modifications of the new law (Selbstbestimmungsgesetz ‒ SelbstBestG)

But know: Please sign the declaration (german-language document)!

Falls jemand englisch sprechende Freunde / Bekannte hat, wäre es schön, wenn man diejenigen auf diese Übersetzung hinweist und einlädt zur Mitzeichnung!

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Die MdB´s des Bundestags werden von der dgti

aufgefordert, aktiv zu werden und den Beschluss des Bundesrats vom 2.6.2017 noch in dieser Legislaturperiode umzusetzen. Die dgti schreibt dazu auf ihrer Website:

Die dgti e.V. hat sich in vielen Gesprächen mit Politikern, mit der Unterstützung zahlreicher Vereine, Institutionen, Unternehmen und einer Stadt, die unsere Initiative, zur Bitte an die Bundesländer den Begutachtungszwang im TSG über den Bundesrat abzuschaffen, unterzeichnet haben, in den Köpfen der Politiker_innen bemerkbar gemacht. Dazu hatten wir alle Fraktionen der Regierungsparteien in den Bundesländern angeschrieben und zahlreiche Gespräche mit z.B. Fraktionsvorsitzenden und Mitgliedern der Landtage geführt. Die vollständige Liste der Unterzeichner kann hier eingesehen werden.

Am 12.5.2017 wurde das 1. Etappenziel erreicht und die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte im Bundesrat die Abschaffung des Begutachtungszwangs und ein neues Gesetz zur rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität und Schutz der Selbstbestimmung bei der Geschlechterzuordnung gefordert.

Dem Entschließungsantrag 362/17 haben sich die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen und Thüringen angeschlossen und dies führte am 2.6.2017 zur Entschließung des Bundesrats.

In der Entschließung heißt es unter 6):

„… Dabei ist insbesondere die teure und unnötige Begutachtungspflicht vor einer Vornamens- beziehungsweise Personenstandsänderung sofort abzuschaffen und durch ein Verwaltungsverfahren zur Anerkennung der Geschlechtsidentität zu ersetzen.“

Damit ist jetzt der Bundestag gefordert tätig zu werden. Die Zeit dafür in der laufenden Legislaturperiode wird knapp.

Wie notwendig eine Neuregelung ist, lässt sich aus den vielfältigen Hürden erkennen, die einzelne Amtsgerichte immer wieder aufbauen und nicht durch die Rechtslage begründbar sind. So werden von einem Amtsgericht regelmäßig drei statt zwei Gutachten verlangt, ein anderes schaltet bei Personenstandsänderung für Jugendliche zusätzlich ein Familiengericht ein oder verlangt zusätzlich zum Bundespersonalausweis einen Nachweis der Staatsbürgerschaft.

Durch die Annahme des Selbstbestimmungsgesetzes der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/DER GRÜNEN (Drucksache 18/12179 des Bundestages) könnten entscheidende Verbesserungen erzielt werden.

Daher werden wir nicht nachlassen durch Information und Aufklärung auch und gerade von Abgeordneten des Bundestags dazu beizutragen, dass das TSG durch ein dem Erkenntnisgewinn der vergangenen Jahrzehnte Rechnung tragendes Gesetz ersetzt wird. Dabei darf jedoch auch die Gesundheitsversorgung transidenter und transsexueller Menschen nicht aus dem Fokus verloren werden. Nach wie vor entsteht viel Leid dadurch, dass Leistungen durch gesetzliche Krankenkassen nur über Einzelfallentscheidungen gewährt werden. Auch dies bedarf einer dringenden Neuregelung.

Wir fordern daher die MdB auf,

1) noch in dieser Legislaturperiode einer umfassenden gesetzlichen Neuregelung zur rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität sowie dem Schutz der Selbstbestimmung bei der Geschlechtszuordnung in einem Verwaltungsverfahren zuzustimmen.

2) und die Leistungen zu geschlechtsangleichenden Maßnahmen gesetzlich so zu regeln, dass sie für alle transidenten und transsexuellen Menschen frei zugänglich sind, analog wie im Sozialgesetzbuch V §23 (1) beschrieben.

Diesen Forderungen schließe ich mich an und bitte die MdB im deutschen Bundestag, für transsexuelle, transidente Menschen bzw. Transgender aktiv zu werden.

Update: inzwischen wurden noch Änderungswünsche zum Selbstbestimmungsgesetz gesammelt und beim trans-alliance-Projekt veröffentlicht.

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Die Istanbul-Konvention sollte TS/TI/TG ein

Begriff sein, denn sie enthält in Artikel 4 eine wichtige Passage in Absatz 3:

„Die Durchführung dieses Übereinkommens durch die Vertragsparteien, insbesondere von Maßnahmen zum Schutz der Rechte der Opfer, ist ohne Diskriminierung insbesondere wegen des biologischen oder sozialen Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, der sexuellen Ausrichtung, der Geschlechtsidentität, des Alters, des Gesundheitszustands, einer Behinderung, des Familienstands, des Migranten- oder Flüchtlingsstatus oder des sonstigen Status sicherzustellen.“

Wichtig auch Artikel 12:

  Die Vertragsparteien stellen sicher, dass Kultur, Bräuche, Religion, Tradition oder die sogenannte „Ehre“ nicht als Rechtfertigung für in den Geltungsbereich dieses Übereinkommens fallende Gewalttaten angesehen werden.

Auch Artikel 14 (Bildung / Bildungspläne), Artikel 15 (Fortbildung bestimmter Berufsgruppen) sowie Artikel 40 (der auch die erniedrigende Begutachtungspraxis gemäß dem TSG tangiert) und Artikel 60 (Asylanträge) sind für transsexuelle Menschen wichtig – aber auch z.B. für LSBTTIQ Flüchtlinge.

Den vollen Text der Konvention, die von der Bundesrepublik Deutschland Anfang Juni 2017 ratifiziert wurde, findet man hier in deutscher Sprache.

Mein Dank gilt dem LSVD e.V. für den Hinweis auf die Ratifizierung der Konvention!

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Das „Körperschema“ (body image)

ist in der Neurowissenschaft seit längerem ein bekannter Begriff. Die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ hat nun einen ausführlichen Artikel zu diesem Phänomen veröffentlicht. Besonders folgender Satz am Ende ist für das Phänomen der Transsexualität von Bedeutung:

Bei Kindern, bei denen Körperglieder von Geburt an fehlen, z.B. nach einer Thalidomid-Embryopathie, kann trotzdem die Vorstellung eines Gesamtkörperschemas entstehen, was auf das Vorhandensein einer genetischen Grundlage (Gen) hinweist.

V.S. Ramachandran hat 2008 zum Thema body image und Transsexualität eine Studie bei transsexuellen Menschen veröffentlicht.
Das angeborene Körperschema ist auch ein Grund dafür, das manche transsexuellen Menschen Phantombrustwahrnehmnungen, Phantompeniswahrnehmungen oder Phantomvaginawahrnehmungen haben und diese durch geschlechtsangleichende Maßnahmen aufhören.

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Vier neue Medienbeiträge finde ich bemerkswert:

  • den Beitrag von und über Lucia Lucas auf nrwision TV (hier ansehbar) und
  • den Beitrag über Lyra Pramuk bei vice (hier ansehbar). Die Doku über die Opernsängerin und Baritonistin Lucia Lucas finde ich deshalb auch so gut, weil sie nebenbei über viele Probleme transsexueller Kinder heute informiert und Lucia sich für Verbesserungen bei transsexuellen Kindern einsetzt.
  • Informativ und passend zum Thema „LGBTTIQ und Musik/Kunst“ ist auch ein Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung über den Schwulenchor „Rosakehlchen“, der sein 25. Jubiläum feiert.
  • den FAZ Artikel „Das neue Leben ist lebenswert“ (von Martin Ochmann) mit Hinweis auf eine Möglichkeit für Ehepartner, sich Hilfe zu suchen… – und dazu an dieser Stelle auch der Hinweis auf das trans-partner-Forum, bei dem Partner von transsexuellen / transidenten Menschen nach einem Coming out Hilfe bekommen können…

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warum ich nun auch offiziell Feministin bin

hängt auch mit diesem Artikel von Carline Mohr im Spiegel zusammen. Transsexuelle Frauen werden leider oft gar nicht gehört bzw. zu entsprechenden Konferenzen eingeladen und sollten daher von Haus aus Interesse an der Frage der Sichtbarkeit haben. Dazu habe ich erst vor kurzem getwittert und heute mein Twitter Profil ergänzt.

Auch der FAZ Beitrag über Vivienne Ming zeigt, wie eng Feminismus und die Emanzipation transsexueller Frauen miteinander verbunden sind.

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