warum ich nun auch offiziell Feministin bin

hängt auch mit diesem Artikel von Carline Mohr im Spiegel zusammen. Transsexuelle Frauen werden leider oft gar nicht gehört bzw. zu entsprechenden Konferenzen eingeladen und sollten daher von Haus aus Interesse an der Frage der Sichtbarkeit haben. Dazu habe ich erst vor kurzem getwittert und heute mein Twitter Profil ergänzt.

Auch der FAZ Beitrag über Vivienne Ming zeigt, wie eng Feminismus und die Emanzipation transsexueller Frauen miteinander verbunden sind.

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Kathrin Zinkants neuer Artikel

in der Süddeutschen Zeitung über den weltweiten „Science-March“ zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, wenn Wissenschaft unabhängig bleiben soll, solidarisch mit Wissenschaftlern zu sein.

Ich wünsche den Veranstaltern am 22. April eine große Beteiligung und gute mediale Berichterstattung. Auch transsexuelle Menschen profitieren davon, wenn unabhängige, evidenzbasierte Forschung politisch gewollt und gefördert wird. Trans-Evidence hat zum Beispiel einen wissenschaftlichen Artikel (Review des Entwurfs der Sexualpsychiatrischen Guidelines der Arbeitsgruppe um Nieder) publiziert (hier zum downloaden als .pdf), der einmal mehr zeigt, wie wichtig unabhängige Forschung im Bereich Transsexualität ist.

Es wäre schön, wenn auch die Bundesregierung deutliche Signale gibt und zum Beispiel den Zugang zu medizinischen Datenbanken (Embase, ganz DIMDI, Cochrane Library…)  auch für gemeinnützige Vereine subventioniert.

Auch die Einladung transsexueller Frauen zu Tagungen und Konferenzen für Frauen (z.B. #w20summit) wäre ein wichtiges Signal für die Gleichstellung – bislang hapert es im Blick auf Gleichstellung aber oft noch sehr, wie man erst vor kurzem in entsprechenden Gutachten nachlesen konnte.

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eine Petition zur Reform des Transsexuellengesetzes

befindet sich derzeit in der Mitzeichnungsphase beim deutschen Bundestag. Man findet sie über die Petitionsnummer 70282 oder über den Link hier. Es wäre gut, wenn der deutsche Bundestag das TSG nicht nur reformiert, sondern abschafft (insbesondere auch die Begutachtung) und ein neues Gesetz zur Änderung von Vornamen- und Personenstand schafft und dazu die medizinische Versorgung im Sozialgesetzbuch im Bereich präventiver Medizin verankert. Entsprechende Vorschläge gibt es ja sogar inzwischen von offizieller Seite (z.B. im Text des Rechtsgutachtens von Dr. Laura Adamietz).

Update: Cornelia Kunert, Psychotherapeutin in Österreich, die viel Erfahrungen mit transsexuellen Menschen hat, betont, wie wichtig ein niederschwelliger Zugang zur medizinischen Verorgung (insbesondere zur Hormontherapie) ist. Damit unterstreicht sie indirekt eine der Hauptforderungen dieser Petition, ähnlich wie Dr. Kurt Seikowski es in seiner Studie tat (veröffentlicht in „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“, Hg. G. Schreiber).

Zur Übersicht verlinke ich hier weitere Petitionen zum Thema Transsexualität:

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„Reformation für alle“ – also auch transsexuelle/transidente

Menschen (bzw. NIBD, Transgender, trans* …) – ist der Titel einer neuen Broschüre, die man beim Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bestellen kann (Postweg) bzw. bei der DGTI e.V. als .pdf downloaden kann.

Bei evangelisch.de gibt es eine Besprechung des neuen Heftes. Den Begriff „NIBD“ habe ich in der Broschüre auf S. 61 kurz erklärt – ausführlich findet man ihn im Artikel von Dr. H.J. Haupt „neurointersexuelle Körperdiskrepanz“ im Buch „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“ (Hg.: G. Schreiber) beschrieben.

Bild: Cornelia Kunert

Bild: Cornelia Kunert

Da ich im Blick auf den Begriff „NIBD“ immer wieder gefragt wurde, was denn diese Abkürzung genau meint (im Heft habe ich dazu nur wenig Platz gehabt), werde ich hier demnächst einen Artikel dazu als .pdf Datei hochladen.

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ein vernichtendes Urteil über die gegenwärtige Alltagspraxis des TSG

wird in den nun veröffentlichten IMAG-Gutachten zum Transsexuellengesetz (TSG) deutlich. Man merkt, wie dringend reformbedürftig das TSG, aber auch das medizinische Verfahren der Geschlechtsangleichung ist.

Short abstract  in english: 2 expert reports („Rechtsgutachten“) show big problems of transgender and intersexual peopel in germany (for example with gate-keepers to get medical support; for transgender children…). the expert reports were instructed from the german government (BMFSFJ). the second part of Dr. Laura Adamietz expert report shows a new possible law instead of the old „Transsexuellengesetz“ bringing much benefits and cheaper costs for all citizen of germany…

Hier zunächst einmal die beiden in voller Länge im Internet veröffentlichten Gutachten:

  • Rechtsgutachten „Regelungs- und Reformbedarf
    für transgeschlechtliche Menschen – Begleitmaterial zur Interministeriellen Arbeitsgruppe Inter- & Transsexualität – Band 7“ (IMAG) von Dr. Laura Adamietz und Katharina Bager (mit Beteiligung von Trakine e.V., BVTrans*…)
  • Rechtsgutachten „Geschlechtervielfalt im Recht – Status quo und Entwicklung von Regelungs­modellen zur Anerkennung und zum Schutz von Geschlechtervielfalt
    Begleitmaterial zur Interministeriellen Arbeitsgruppe Inter­ & Transsexualität –
    Band 8; Deutsches Institut für Menschenrechte – Dr. Nina Althoff, Greta Schabram, Dr. Petra Follmar ­Otto

Einige „Kostproben“ aus den Texten:

some quotations for journalists… (Transgeschlechtlichkeit = Transgender)

„Das TSG bietet zudem keine umfassende Lösung für den gesamten Regelungsbedarf, der im Zusammenhang mit Transgeschlechtlichkeit besteht und der weit
über die Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag hinausgeht.“

„Zunächst einmal basiert das TSG auf einer medizinisch-diagnostischen Vorstellung von „Transsexualität“ als psychischer Erkrankung, die nach den aktuellen Erkenntnissen der Sexualforschung nicht mehr zu vertreten ist.“

„Die Verhinderung von (TSG-bedingten) gleichgeschlechtlichen Ehen ist seit der Entscheidung des BVerfG von 2008 nicht mehr
möglich. Sie erscheint auch angesichts der Abschaffung des § 175 StGB, der Verfassungswidrigkeit von Diskriminierungen wegen der sexuellen Orientierung und der daraus folgenden Angleichung von Ehe und Lebenspartnerschaft kein besonders bedeutsamer Zweck mehr zu sein.“

„Insbesondere die Voraussetzung der Begutachtung (§ 4 Absatz 3) hält einer rechtlichen Überprüfung nicht stand.“

„Die deutschlandweite Befragung ergab, dass die Begutachtung nicht als hilfreiche Unterstützung, sehr häufig aber als
Eingriff in die Selbstbestimmung und in die Privatsphäre empfunden wird.“

>>Berichtet wurde, dass die Krankenkassen die Diagnose „Transsexualität“ teilweise infrage stellen, wenn noch kein TSGVerfahren durchlaufen wurde, um die Gewährung von Angleichungsmaßnahmen zu verweigern. […] Dies kann dazu führen, dass Versicherten adäquate Gesundheitsversorgung verweigert wird, weil sie nicht die psychischen Ressourcen haben, sich neben den oft langwierigen Auseinandersetzungen mit der Krankenkasse zusätzlich dem Begutachtungsverfahren im Rahmen des TSG-Verfahrens zu widmen. Die Ergebnisse der hier durchgeführten sowie anderer Erhebungen zeichneten ein Bild der Begutachtungsverfahren, das in vielen Fällen von unverhältnismäßigem Zeit- und Kostenaufwand
sowie von entwürdigenden und diskriminierenden Erfahrungen geprägt ist und somit die antragstellenden Personen in ihren Grundrechten verletzt…<<

Damit aber steigeren manche Krankenkassen die Komorbiditätsrate (z.B. weil transgeschlechtliche Menschen in eine Depression rutschen) und schaden damit letztlich durch zusätzliche Krankheitskosten (die bei einem besseren präventiv-medizinischen salutogenetischen Verfahren vermieden werden könnten) der Solidargemeinschaft aller, die Krankenkassenbeiträge zahlen.Das wird auch durch folgende Passage deutlich:

„Dazu heißt es von führenden Behandler_innen auf dem Gebiet, dass der Leidensdruck transgeschlechtlicher Menschen sich oftmals erst ergebe, wenn die zeitnahe Möglichkeit somatischer
Maßnahmen z. B. aufgrund von Restriktionen innerhalb des Gesundheitssystems verwehrt bleibt (sog. antizipierter Leidensdruck)“ (vgl. S.19)

Grundsätzlich stellt sich daher die Frage, welche Rolle im medizinischen Verfahren die „Gatekeeper“ haben und warum das weiterhin Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater sein müssen, wenn Transsexualität keine psychische Erkrankung, sondern eine angeborene Variante des Gehirngeschlechts ist und warum im Gesundheitswesen Gelder verschleudert werden für Zwangspsychotherapieverfahren, deren Nutzen in keinester Weise wissenschaftlich durch evidenzbasierte Studien nachweisbar ist. Zum Gatekeeping findet man folgendes Zitat:

„Dabei sehen sich die meisten Begutachteten diesen Situationen schutzlos ausgeliefert, da es in höchstem Maße unwahrscheinlich ist, dass das Gericht die beantragte Vornamens- / Personenstandsänderung vornehmen wird, wenn die Gutachtenden nicht von der Transgeschlechtlichkeit überzeugt sind. Dieser „Gate-Keeping-Effekt“ kann dazu führen, dass antragstellende Personen während der Begutachtung aus Angst, die Begutachtenden nicht zu überzeugen, viel mehr intime Details erzählen, als sie eigentlich müssten. Dies verstärkt die Gefühle der Abhängigkeit und der Erniedrigung.“

„Der sogenannte Gate-Keeping-Effekt führt dazu, dass Verletzungen der Intimsphäre geduldet oder in gewisser Hinsicht sogar angeboten werden…“

In einem anderen Artikel von Prof. Dr. Matthias Schrappe (der als Experte für evidenzbasierte Medizin im Vorstand des DN-EbM Mitglied ist) zum derzeitigen Abrechnungssystem im Gesundheitswesen heisst es deshalb zu Recht:

auch gibt es keinen Anreiz zur Prävention, denn man generiert Erlöse für den behandelten Krankheitsfall und nicht für die verhinderte Erkrankung bzw. Krankheitsepisode.

Deshalb betont trans-evidence die Bedeutung eines neuen salutogenetischen bzw. präventiv-medizinischen Ansatzes zur Behandlung transssexueller Menschen.

Exkurs: die problematische Finanzierung des Gesundheitssystems wird in der Sendung „Quarks und Co“ vom 14.01.2014 mit dem Titel „Fehler im System Krankenhaus?“ ebenfalls Thema.

Besonders problematisch wird die Rolle der Gatekeeper, wenn ihre Vorstellungen von Geschlecht selbst keinerlei Evidenz haben. Das zeigt sich zum Beispiel bei sexistischen Klischees von Gutachtern bei der Begutachtung, die bis heute eine Rolle spielen:

„Kleidung, die nicht den Geschlechterstereotypen der zu begutachtenden Geschlechtsidentität entspricht, wird nach den Berichten von transgeschlechtlichen Personen
häufig kommentiert…“

Damit aber stellt sich die Frage: Wer überprüft eigentlich die Qualität der Arbeit von Gutachtern  und ihrer Gatekeeper-Funktion – bislang sind das ja angebliche „Experten“, die oft in sogenannten „Qualitätszirkeln“ zusammenarbeiten und gerne die „Gender-Kompetenzzentren“ ausbauen möchten. Man bräuchte viel mehr eine gute Qualitätssicherung und Überprüfung solcher fragwürdigen Mediziner und sollte in einer Demokratie Möglichkeiten schaffen, durch die Opfer solcher sexistischer Psychiater der „nachfolgenden Generation“ diese in ihrer Tätigkeit ersparen können. Gleichzeitig muss gesichert werden, dass das „Gatekeeping“ demokratisch legitimiert und zeitlich befristet wird bzw. man Gatekeeper, die ihre Macht so missbrauchen aus dem Prozess der Geschlechtsangleichung entfernen kann, damit sie nicht weiterhin nur aus monetären Gründen transsexuelle Menschen hinhalten und ihr Leiden verzögern / vergrößern.

Besonders krass stellt sich oft die Begutachtung von Kindern dar, wie man in folgenden „Kostproben“ mitbekommen kann:

„Dies ist sicherlich als Verletzung der Menschenwürde und der körperlichen Unversehrtheit zu bewerten und dürfte auch gegen das UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe verstoßen.“

Wie wenig sinnvoll das TSG ist, zeigt sich auch in der Zahl der Ablehnungen:

 „Die Rate der abgelehnten Anträge liegt seit Inkrafttreten des TSG bei unter 5 %, Tendenz abnehmend…“

„Den niedrigen Ablehnungszahlen stehen die vorliegend erhobenen gemittelten Gesamtkosten von durchschnittlich 1.868 Euro pro TSG-Verfahren gegenüber, die entweder die antragstellen den Personen selbst zu tragen haben oder, im Falle von Verfahrenskostenhilfe ohne Ratenzahlung, die Justizkasse.
[…] Es entstanden der Justizkasse nach dieser Berechnung Kosten in Höhe von 1.108.247 Euro, von denen 88,9% auf die Vergütung der Sachverständigen fielen, mithin 985.231 Euro. In Anbetracht der festgestellten Zwecklosigkeit des Begutachtungsverfahrens bleibt zu prüfen, ob hier eine unzweckmäßige Verwendung von Steuergeldern vorliegt.“

Und noch eine Kostprobe, die deutlich macht, wie wenig begründbar seitens des Gesetzgebers das Insistieren auf Geschlechtsregistereinträgen ist:

>>Verfassungsrechtlich geboten dürfte die Registrierung von
Geschlechtszugehörigkeit nicht mehr sein, wie sie dies auch nicht für die anderen von Artikel 3 Absatz 3 S. 1 GG genannten Merkmale ist und insbesondere, aber nicht nur, für den Fall der
„Rasse“ nicht mehr sein kann.<<

Im Blick auf nötige Bildungsarbeit kommt das Gutachten zu folgender Empfehlung:

„Nachdem die Datenauswertung einen ganz erheblichen Bedarf an gesellschaftlicher Aufklärung zutage gebracht hat, wird hier empfohlen, die Etablierung von Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen neben der gesetzestechnischen Reform des TSG als wichtiges staatliches Handlungsfeld anzunehmen. Dabei sollten nicht nur private Akteure darüber aufgeklärt werden, welche Rechte transgeschlechtliche Menschen haben und welche Handlungsweisen sich diskriminierend auswirken. Auch bei staatlichen Stellen bestehen z. T. gravierende Wissensdefizite; diese sollten durch zielgruppenspezifische Maßnahmen abgebaut werden.“

Auch im Bereich des Gesundheitswesens mangelt es an Bildung auf allen Ebenen:

„Nach der Resolution 2048 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates sind die Mitgliedstaaten zur Gewährleistung
eines stigmafreien Zugangs zu chirurgischen, hormonellen und psychologischen Behandlungen aufgefordert, die finanziell durch das Gesundheitssystem getragen werden. Für diesen Bereich gilt es zu ermitteln, auf welche Weise dringend benötigtes Wissen in die verschiedenen Handlungsebenen der Krankenkassen, des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen
und die individuellen Behandlungsorte vermittelt werden kann.“

Besonders wichtig finde ich den Vorschlag eines neuen „Geschlechtsidentitäts und
-zuordnungsgesetzGizG“. – es wird Zeit, dass die große Koalition ein „heißes Eisen“ anpackt und zeigt, wie Politiker heute zu rationalen Entscheidungen noch fähig sind und sich nicht von postfaktischen und irrationalen Behauptungen radikaler Rechtspopulisten (egal, ob in Europa oder den USA) einschüchtern bzw. vor sich her treiben lassen. Daher kann man nur hoffen, das das GizG bald das Transsexuellengesetz ersetzt, weil die Politik mehr Vernunft zeigt als man in Wahlkampfzeiten vermuten würde.

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eine Literaturliste

wurde schon mehrfach von mir nach meinen Vorträgen erbeten. Deshalb habe ich eine kleine Literaturliste hier (.pdf) hochgeladen. Nun gibt es auch eine facebook-Gruppe, in der man den Vortrag vertiefen kann. Diese Gruppe ist für Teilnehmende am Vortrag, aber auch andere interessierte Menschen. Sie ist „geschlossen“, aber nicht „geheim“, d.h. niemand sieht die Beiträge…
Der letzte Vortrag war in Marburg an der Lahn…

Marburg / Lahn Januar 2017

Marburg / Lahn Januar 2017

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Die Deutsche Gesellschaft für Health Consumer Ethics (DGHCE)

ist für transsexuelle, transidente und Transgender Menschen eine neue wichtige Gruppe, die man seit Anfang Januar nun auch offiziell im Handelsregister eingetragen findet.

Trans-evidence bloggt weitere Infos zur  DGHCE ebenso, wie die TU Darmstadt bzw. das Institut, an dem Dr. Gerhard Schreiber, Präsident der DGHCE arbeitet.

Der Gedanke, dass transsexuelle Menschen nicht „Patienten“ sind, die einfach blind dem vertrauen, was Mediziner anbieten, sondern als kritische Konsumenten auf dem Markt der Anbieter im Gesundheitswesen sich als „health consumer“ überlegen, was sie wollen und was nicht, ist für viele vielleicht ungewohnt, aber hilfreich. Auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens gibt es bislang noch zu wenig kritische „health consumer“, wie ich es in einem anderen Beitrag zu Dr. med. Gunter Franks Buch deutlich machte.

Wer sich über das Thema „Health Consumer“ informieren will, sollte wissen, dass es einen Health-Consumer Index (HCI) gibt, in dem verschiedenen Länder verglichen werden und Deutschland noch nicht an der Spitze zu finden ist. Wenn in einem Bericht der deutschen Apothekerzeitung zum HCI davon die Rede ist, dass die Patienten […] fast jede Art von Leistung in Anspruch nehmen, die sie wollten und wann sie wollten durften – dann stimmt das im Blick auf transsexuelle / transidente Menschen sicherlich bislang kaum.
Daher dürfte es die Community besonders interessieren, warum man im Gesundheitswesen anscheinend solche Unterschiede zwischen health-consumern ohne Label „TS“ macht und denen, die via „Geschlechtsidentitätsstörung“ ein Label verpasst bekommen haben.  Ob das an der Verwendung des Begriffes „Identität“ liegt? Meist wird die Frage nach der Identität von denen gestellt, die damit Menschen einsortieren und letztlich beherrschen wollen, d.h. Macht über eine Gruppe ausüben möchten bzw. durch diese Gruppe Geld verdienen wollen (was die Stuttgarter Erklärung ja nahezu konsequent ablehnt. Leider gibt es immer noch Psychiater, die diese Erklärung bis heute nicht unterschrieben haben…).
Kritisch diskutiert wird (in englischer Sprache) der Begriff und das Konzept des „health consumers“ hier in einem Beitrag mit dem Titel >>Should You be a „Patient“ or „Healthcare Consument“<<. Die Autorin fragt zu Recht: „Perhaps the doctor will be more responsive to consumer demands—but perhaps this doctor will also feel more obligated to give the consumer exactly what he wants, including unnecessary tests and harmful procedures. And will these physicians still retain their sense of social responsibility, when healthcare is reduced from societal obligation to personal choice?“ – und genau darum braucht es die Diskussion über ethische Grundlagen der Anbieter im Gesundheitswesen und entsprechende Fortbildung / Bildungsangebote zum Gesundheitswesen bzw. wie man im Blick auf Gesundheitsanbieter ein „mündiger Bürg*er“ wird (z.B. durch Aneignung von Kenntnissen der Epidemiologie und evidenzbasierten Medizin).

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Der Begriff der „Kongruenzdynamik“ sollte

transsexuellen / transidenten Menschen bzw. Transgendern bekannt sein – bzw. wenn er es nicht ist, sollte man sich damit beschäftigen, mehr darüber zu erfahren. Cornelia Kunert schrieb dazu einiges im Buch „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“ (Hrsg. G. Schreiber) und bloggt auch dazu. Die Kongruenzdynamik ist aus psychologischer Sicht das wichtigste Argument gegen die Theorie, Transsexualität beruhe auf frühkindlichen Traumata oder anderer psychopathologischer Unfug. Der wird leider immer noch von Menschen wie K. Zucker verbreitet – aber er hat keine überzeugende rationale Argumentation für diese Sichtweise, denn: Traumata verschwinden nicht durch eine Hormontherapie – aber die Problematik, die transsexuelle / transidente Menschen bzw. besser NIBD (neurointersexuelle Körperdiskrepanz / neurointersexual body discrepancy – ein Begriff, den Dr. H.J. Haupt in seinem Aufsatz „neurointersexuelle Körperdiskrepanz“ im Buch „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“ (Hg. G. Schreiber) ab S. 75ff prägte) haben, wird durch eine Hormontherapie deutlich verringert, weil diese eine Kongruenzdynamik auslöst.

Genau deshalb beschreibt Dr. Seikowski auch in seiner Studie, die er im Buch „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften“ publiziert hat, warum eine Wartezeit auf die Hormontherapie seiner Meinung nach in der Regel mehr schadet als nützt. Denn die Kongruenzdynamik, die sich positiv im Blick auf Komorbiditäten auswirken kann (und meist auch tut), tritt meist erst dann klar in den Vordergrund, wenn eine Geschlechtsangleichung via Hormontherapie möglich wird.
Die Kongruenzdynamik entsteht durch die zunehmende Kohärenz mit sich selbst, die ein Mensch mit Geschlechtskörperdiskrepanz durch die Hormontherapie erfährt. Deshalb ist eine salutogenetische Sichtweise von Transsexualität wichtig.

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wer in Marburg (Lahn) oder Umgebung

marburg-klein3wohnt, den lade ich ein zum Vortrag und Workshop am 23.1./24.1.2017 an der Universität Marburg.
Thema: „Wir sind alle Gottes Kinder – aber…? – biologische, biografische und theologische Aspekte im Leben einer transsexuellen evangelischen Pfarrerin“

Einen Flyer findet man hier (als .jpg – bzw .pdf)  zum Download.

 

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Wer seine Tochter vor Gebärmutterhalskrebs schützen will,

sollte diesen Artikel von Kathrin Zinkant in der Süddeutschen Zeitung vom 26.12.2016 lesen. In der evidenzbasierten Medizin ist es klar: nur Impfungen, deren Nutzen höher ist als bei einem Placebo werden zur Anwendung zugelassen. Wie wichtig zum Beispiel die FSME Impfung auch für Rohmilchliebhaber ist, kann man diesem Artikel (Autorin Tina Baier, 5.4.2017) der SZ entnehmen.

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