transsexueller Frau droht Abschiebung

trotz Suizidversuch und obwohl sie als Muslima und Romni in ihrer Heimat bedroht ist. Es ist unglaublich, wie wenig auf individuelle Aussagen gehört wird – dabei musste Dervisa sich schon einiges anhören, u.a.: „Wir fackeln dich ab, wir nageln dich wie Jesus ans Kreuz.“ Dervisa wurde bereits vergewaltigt – mehrfach – so die TAZ. Das Transphobie in anderen Ländern noch viel massiver verbreitet ist als bei uns, dass TDOR jedes Jahr an die ermordeten transsexuellen Menschen erinnert und in diesem Jahr bereits etliche umgebracht wurden – all das scheint nicht zu zählen… – Wo leben wir eigentlich?

Ihre Geschichte mit dem Gericht in Regensburg findet man hier: http://www.regensburg-digital.de/richter-zu-transsexueller-sie-muessen-ja-ihre-neigung-nicht-offen-zeigen/14022015/. Es wäre schön, wenn Juristen, die über Abschiebungen zu urteilen haben, sich mehr mit dem Thema Transsexualität beschäftigen würden.

Wolfgang Wittl schrieb in der Süddeutschen Zeitung (24.2.) über Dervisa: http://www.sueddeutsche.de/bayern/transsexueller-fluechtling-aus-regensburg-ich-weiss-nicht-was-glueck-ist-1.2365297

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Selbstbestimmung statt Therapiezwang

ist der Anfang einer Schlagzeile der Südwest-Presse vom 27.1.2015, in dem über die Tagung “Geschlecht selbst bestimmt” berichtet wird. Dr. Maria Kohl, deren Brief an die Bundesärztekammer ich in diesem Blog veröffentlicht habe, sagte:

“Transsexuelle Menschen brauchen eine Behandlung, in der sie in ihrem eigenen Geschlecht von Anfang an akzeptiert werden”.

Bislang sind wir davon leider weit entfernt. Ebenso stellt sich im Blick auf eine Ausweisänderung die Frage, warum Deutschland nicht schon längst das argentinische Modell zur Personenstandsänderung übernommen hat, wie die Teilnehmer des Workshops auch einforderten:

“Der Stuttgarter Workshop macht sich auch für eine Reform des Transsexuellen-Gesetzes stark. Als Vorbild gilt Argentinien: Dort können Menschen ihren Personenstand ändern, indem sie gegenüber dem Standesamt erklären, welchem Geschlecht sie angehören – ganz ohne Therapie, Gutachten oder Operation.”

Man findet das argentinische Gesetz im Internet, wenn man nach “argentinisches Gesetz 26.743 ” sucht.

Update: freeyourgender hat den Artikel der SWP kritisch gewürdigt. Mehr dazu hier: http://www.freeyourgender.de/forum/viewtopic.php?f=454&t=545

 

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Pflegebedürftige sollten nicht unter

wirtschaftlichen Aspekten zu leiden haben. Wenn Rollstühle ausgeschrieben werden müssen, bevor sie eine alte Dame bekommt, kostet das Verfahren Zeit und Nerven und geht zu Lasten der alten Menschen. Da wir selber pflegerisch tätig waren, wissen wir, wie wichtig eine wohnortnahe und individuell passende Pflege und ein Versorgungssystem ist. Deshalb bitte ich um Unterstützung für diese Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/ausschreibung-von-rollstuehlen-verbieten

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einen Beitrag zum Thema “Neurodatenschutz”

fand ich heute (31.1.2015) in der Süddeutschen Zeitung hier.
Als transsexuelle Frau interessiert mich die Neuropsychologie sehr, da sie m.E. besser als andere Forschungszweige die Emanzipation und Gleichberechtigung transsexueller Menschen ermöglichen kann und gleichzeitig erklärt, warum transsexuelle Menschen auf Grund ihrer Körperdiskrepanz einen massiven Leidensdruck haben und deshalb medizinische Hilfe brauchen.
Wenn eine Mehrheit, die nicht transsexuell ist, auf Grund neuropsychologischer Studien besser verstehen kann, dass z.B. transsexuelle Frauen “echt biologische Frauen” sind und sich nicht nur “so fühlen”, weil eben die Selbstwahrnehmung wichtiger ist als die Fremdwahrnehmung, wäre das ein wichtiger Schritt.
Dazu braucht es aber Grundlagenforschung und Menschen, die bereit sind, für Studien zur Verfügung zu stehen.

Ob und in wie weit dabei der Schutz der Persönlichkeitsrechte eine Rolle spielt, ist eine wichtige ethische Fragestellung.
Ich bin mal gespannt, ob es darüber innerhalb der facebook-TS-Gruppen (z.B. TGG; TSTI) zu einer Diskussion kommt und ob sich Neuroforscher wie z.B. Dr. Haupt selber zu dem Thema äußern.

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TAZ: eine Frage der Deutungsmacht

Die TAZ trifft es mit einer Überschrift sehr gut: Es ist eine Frage der Deutungsmacht, was Homosexualität (und erst Recht Transsexualität) ist und es ist leider wirklich so, dass manche Psychologen nicht bereit sind, diese Deutungsmacht zu reflektieren oder zu hinterfragen. Hoffentlich gewinnt Jan Roth auch in der Revision (mehr dazu hier: http://www.taz.de/Homophobie-beim-Psychologen/!152900/)

Die Probleme, die er hat, haben viele transsexuelle Menschen im Blick auf Psychologen und Psychiater auch – denn sonst wäre schon längst klar, dass es eine Entspychopathologisierung von Transsexualität braucht, wie es transsexuelle Menschen z.B. in der Waldschlösschen-Erklärung gefordert haben und gleichzeitig eine andere medizinische Einordnung und Behandlungswege, die menschenrechtskonform sind.

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Angleichung und Vornamensänderung

sind bei transsexuellen Menschen zwei verschiedene Dinge. Die Angleichung an das Hirngeschlecht, in dem Menschen seit frühester Kindheit sich als “Mann”, “Frau” oder irgendwie dazwischen oder außerhalb dieser Kategorien wahrnehmen (ich habe leider noch keine Aussage, wie intersexuelle Menschen sich im Blick auf ihr Hirngeschlecht selber verstehen gefunden) ist ein medizinischer Vorgang. Die Identität eines Menschen ändert sich dadurch nur aus der Perspektive der Fremdwahrnehmung, nicht aber aus der Perspektive der Selbstwahrnehmung. Deshalb sprechen transsexuelle Menschen auch nicht von “Umwandlung”, sondern von “Angleichung”.

Die Vornamensänderung dagegen bezieht sich bei transsexuellen Menschen auf den Umstand, dass ihr Hirngeschlecht nicht zu dem bei der Geburt von außen versehentlich falsch zugewiesenem Geschlechtseintrag im Geburtenregister passt. D.h. man bekam einen männlichen Vornamen, obwohl man eine Frau ist – oder umgekehrt (falls man ein transsexueller Mann ist). Durch die Vornamensänderung wird der Ausweis an das biologische Geschlecht, das im Gehirn verankert ist, angepasst. Die Ausweisänderung ist im Transsexuellengesetz geregelt und ein rechtlicher Vorgang.

Die medizinischen Maßnahmen zur Angleichung werden (sofern man Krankenkassenleistungen bekommen will) derzeit in Deutschland durch den MdS bzw. MdK (medizinischer Dienst der Krankenkassen) und seine Richtlinien geregelt. Kritik an diesen Regeln/Richtlinien findet sich z.B. bei Anette Güldenring in ihrem Beitrag zu Udo Rauchfleisch´s Buch “Transsexualität – Transidentät” (4. Auflage) und in vielen anderen Beiträgen transsexueller Menschen (z.B. im Forderungskatalog “Landshuter Modell”, den man hier im Blog findet).

 

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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

waren die Schlagworte der französischen Revolution, die im Zusammenhang der Aufklärung so wichtig wurden. Viele haben ja mehr oder weniger ausführliche Stellungnahmen zu Charlie Hebdo und den traurigen Ereignissen in Paris geschrieben.

Ich finde diese Morde und den Terrror schlimm und verurteile sie, genauso wie ich Terror und Gewalt gegen unschuldige Menschen weltweit verurteile.
Mir sind grundlegende Werte der Aufklärung wichtig und mir ist mein Glaube wichtig. Klar ergeben sich manchmal Spannungen zwischen dem, was man als glaubender Mensch als “heilig” empfindet und dem, was z.B. Presse- und Meinungsfreiheit beinhaltet. Aber das darf nie Grund werden, Selbstjustiz zu üben oder gar Terror zu legitimieren.

Im Gegenteil: Sowohl als Christin wie auch als eine Vertreterin europäischer Werte der Aufklärung trete ich für Dialog und Gespräch ein und hoffe, dass viele andere es auch tun. Wir brauchen keine Spaltungen, sondern mehr Brüderlichkeit, mehr Einheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Freiheit, mehr sozialen Frieden, mehr Miteinander und all das erreichen wir nur über Dialog, Meinungsbildung, Abstimmungen und all den Möglichkeiten, die eine demokratische Gesellschaft bietet. Navid Kermani spricht mir aus dem Herzen, wenn er schreibt, “dass Terror nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern einen sozialen, politischen und geistigen Nährboden hat.” Und ich sehe es auch so, dass wir “den Terror nur besiegen” werden, “wenn wir ihm den Boden entziehen.”
Susan Sontag fragte nach den Terroranschlägen vom 11.9.: „Was haben wir getan, dass sie uns so hassen?“ und es wäre sicherlich gut gewesen, wenn wir uns mit dieser Frage ausführlicher auseinandergesetzt hätten. Das soll allerdings kein Argument sein, dass die UN und Staatengemeinschaften nicht den Opfern des Terrors helfen sollten – denn wenn eine Terrormiliz wie Boko Haram Dörfer dem Erdboden gleichmacht und Menschenrechtsorganisationen wie amnesty darüber berichten, darf man nicht einfach wegschauen (sonst verliert man Glaubwürdigkeit).
Was aber fehlt ist meines Erachtens eine grundlegende Auseinandersetzung über die gerechte Verteilung der Güter unserer Welt, so dass zum Beispiel die Ausbeutung von Bodenschätzen im Kongo nicht einfach so weitergeht wie bisher und dauernd neu Grund für den Terror dort liefert, sondern Rechtsstaatlichkeit und demokratisch legitimierte Verträge (nicht etwas wie TTIP) dazu beitragen, dass die Menschen im Kongo von ihren Bodenschätzen selber profitieren. Klar mögen dann Smartphones teurer werden, weil Coltan als wichtiger Rohstoff teuerer wird – aber wenn es um grundlegende Rechte von Menschen geht, dürfen eben nicht wirtschaftliche Interessen und eine “Geiz ist geil” Mentalität an erster Stelle stehen, sondern die Frage: Welche Werte dienen allen Menschen? Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollten solche Werte sein. Abdelkader Benali schließt einen sehr lesenswerten Beitrag in der NZZ mit den Worten: Jüngst habe ich in Tanger am Fernsehen einen Mann empört ausrufen hören: «Wir haben nie Jesus verspottet. Wir respektieren ihn.» Das hörte sich an, als würde Reziprozität eingefordert. Aber in einer freien Gesellschaft geht es nicht um Gegenrecht, es geht um die Freiheit für alle und die Verteidigung dieser Freiheit. Es ist die Freiheit, in der Muslime und Christen leben und miteinander wachsen können.” – dem ist nichts hinzuzufügen.

 

 

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Weitermachen nach Zeichnungsende der Petition?

Manche haben vielleicht Interesse, nach Zeichnungsende der Petition am Thema weiterzuarbeiten. Da ich vom Anbieter der Petition keine Details von Adressen bekomme, kann ich nach Zeichungsende keinerlei Kontakt zu denen aufnehmen, die unterschrieben haben. Deshalb habe ich ein Formular eingerichtet, das eine weitere Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele ermöglicht. Alle, die an einer weiteren Zusammenarbeit für mehr Rechte transsexueller Menschen Interesse haben und die Petition unterschrieben haben, können sich dort eintragen: http://www.familie-zwoelfer.de/ts-weiterarbeit

Noch ein Hinweis für alle, die gerne andere motivieren möchten, die Petition zu unterschreiben:
Mit den Plakaten (hier zu finden: http://www.familie-zwoelfer.de/petition#attachments) und den ausgedruckten Unterschriftenlisten (rechts bei openpetition zu finden) kann man ggf. auch an einer Schule vor Ort gut Unterschriften bekommen. Wenn ein Schuldirektor bereit ist, selber zu unterschreiben, machen das oft auch die Lehrer im Lehrerkollegium. Manche Schulleiter überzeugt es, wenn man auf die Akademiker hinweist, die die Petition befürwortet haben und selber unterschrieben haben – allen voran Prof. Dr. Udo Rauchfleisch (seine Statements sollte man selber gelesen haben, bevor man zu einem Schulleiter geht – mehr von ihm hier im Blog via Suche…).
Besonders gut ist es, wenn diejenigen, die selber viel Geld für Gutachter bezahlt haben und geoutet sind, einen Schulleiter ansprechen…
Die ausgefüllten Unterschriftenlisten kann man scannen und mir per Mail schicken oder direkt (als .pdf) hochladen. Wer dazu keine Möglichkeit hat, kann mir eine ausgefüllte Unterschriftenliste auch per Post zusenden (allerdings nur bis Ende Januar 2015 – danach habe ich dringende andere Termine um die ich mich bis Ablauf der Petition kümmern muss).
Danke für alle Unterstützung!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein gesegnetes neues Jahr 2015!

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FAQ zur Petition

Es gab einige Fragen, die im Blick auf meine Petition (hier zu finden) öfter gestellt wurden (sogenannte “frequently asked questions” – FAQ). Diese möchte ich hier aufgreifen.

Frage 1: Warum gibt es mehrere Plakate zur Petition?
Antwort: Weil unterschiedliche Werbematerialien unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und überzeugen können. Man findet die Plakate auf www.familie-zwoelfer.de/petition in den Anhängen…

Frage 2: Ist die Vereinfachung des Namensänderungsverfahrens ein Problem im Hinblick auf Straftäter?
Antwort: Nein. Straftaten bleiben beim bisherigen Verfahren wie beim neuen Verfahren völlig unabhängig vom Vornamen in einer entsprechenden Straftäterkartei (z.B. Verkehrssünderregister in Flensburg) gespeichert. Diese wird bei der Namensänderung aktualisiert bzw. entsprechend mit dem neuen Vornamen verbunden – d.h. wer vorher Konkurs gemacht hat und Gläubiger geschädigt hat, wird auch nach einer Namensänderung weiterhin bei allen damit verbundenen Justizbehörden bzw. Schufa aktenkundig sein. Ansonsten würden Steuersünder, Konkursbetrüger und andere Straftäter ja auch das bisherige Verfahren ausnützen – geht aber eben nicht. Es ist ja auch bei einer Heirat nicht möglich, sich der Verantwortung, die man als Bürger gegenüber anderen Menschen hat, zu entziehen – nur dort ist es wesentlich einfacher, einen neuen Ausweis zu bekommen.

Frage 3: Ist die Petition ein Freibrief für Psychologen und Psychiater, die Psychopathologisierung fortzusetzen? Bzw. unterstützen Sie deren Arbeit?
Antwort: Nein. In der Petition geht es nur um die rechtliche Thematik. Im Blick auf problematische medizinischen Begriffe wie “Geschlechtsdysphorie” und “Geschlechtsinkongruenz” habe ich mich andernorts in diesem Blog klar ablehnend geäußert. Ebenso im Blick auf die Frage, warum ich lieber von “Transsexualität” rede. Ich arbeite aber mit allen Menschen zusammen, die bereit sind, meine Petition und deren Ziel zu unterstützen. Das ist klar formuliert. Aber das bedeutet nicht, dass ich die Meinung und deren Aussagen der Unterstützer sonst generell teile. Wenn ich die Meinung anderer teile, dann mache ich das explizit deutlich, in dem ich entsprechende Passagen zitiere.

Frage 4: Ist diese Petition auch von Akademikern unterzeichnet worden?
Antwort: Ja. Einige haben mir inzwischen erlaubt, ihren Namen zu veröffentlichen. Unter anderem haben die Petition unterzeichnet: Prof. Dr. Udo Rauchfleisch (klinischer Psychologe, Basel) Prof. Dr. Regina-Michaela Wittich (Transsexualität + Biowissenschaften, Spanien); Prof. em. Dr. Helmut Zwölfer (Biologe); Prof. Dr. Barbara Thiessen (Gendersensible Soziale Arbeit, Landshut); Prof. Dr. Sabine Hark (TU Berlin); Prof. Dr. Monika Barz (PH Ludwigsburg); Dr. Timo Ole Nieder (Dipl. Psych., Klinik HH Eppendorf) Anette Güldenring (Fachärztin für Psychiatrie), Dr. Gisela Bog-Preussner (Psychologin, Ansbach) und etliche andere mehr… (wird ggf. noch ergänzt)

Frage 5: Aber ist Transsexualität nicht eine psychische Störung? D.h. darf man denn da einfach so ohne Gutachten mehr Freiheit ermöglichen? Und wenn ich unterschreibe – ist es dann am Ende nicht zu einfach, dass jemand Hormone bekommt und massiv seinen Körper verändert?
Antwort: Transsexualität wurde früher als Geschlechtsidentitätsstörung angesehen und zum Teil von manchen bis heute so eingeordnet – allerdings gibt es immer mehr namhafte Psychiater, Psychologen und Neuropsychologen, die den Begriff der Geschlechtsidenitätsstörung ablehnen (mehr dazu an anderer Stelle in diesem Blog). Außerdem zeigte die Psychiaterin Anette Güldenring, dass für den Gesetzgeber die Frage, ob eine Störung vorliegt, im Blick auf die Namensänderung gar nicht wichtig ist und die Gutachterei jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt (mehr dazu weiter unten bei Frage 7)
Die Petition hat keinen Einfluss auf die medizinische Behandlung. Derzeit ist es wesentlich einfacher, eine Hormontherapie zu bekommen als einen neuen Personalausweis. Wer von sich weiss, eine (transsexuelle) Frau zu sein, kann manchmal schon nach 1-2 Gesprächsterminen mit einem Psychologen eine Überweisung zum Endokrinologen bekommen. Allerdings stigmatisiert die Diagnose F64.0, wie andernorts mehrfach erwähnt. Ein weiteres Problem ist, dass es sehr vom Psychologen/Psychiater abhängt, wie viele Termine man braucht, um die Überweisung zu bekommen – Grund: Es gibt keine ausreichend evidenzbasierte Forschung zur Transsexualität (außer in der Neuropsychologie), die wissenschaftlich-medizinischen Kritierien standhält, d.h. es liegt an der subjektiven Meinung dessen, der die Überweisung zu schreiben hat, wann man sie bekommt.

Frage 6: Wie gehst Du mit der Kritik etlicher transsexueller Menschen an der Nennung von Timo O. Nieder um?
Antwort: Seine Ansichten im Blick auf Transsexualität werden nicht generell von allen transsexuellen Menschen geteilt. Derzeit diskutieren wir in unserer facebook-Gruppe, ob wir ihm einige Fragen stellen um zu klären, wie sein Standpunkt im Blick auf umstrittene Fragen ist. Durch die Zeichnung der Petition bekennt sich Nieder jedenfalls klar zu dem Ziel, das in vielen Forderungskatalogen transsexueller Menschen steht.

Frage 7: Ist der Beitrag aus der Zeitschrift für Sexualforschung 2013 bekannt?
Antwort: Ich habe ihn mit Interesse gelesen und zitiere hier gerne daraus
Der Artikel ist von der Fachärztin für Psychiatrie, Anette Güldenring, und hat den Titel “Zur Psychodiagnostik von Geschlechtsidentität” (Zeitschrift für Sexualforschung 2013, 26) verweisen könne. Sie kritisiert dort das Gutachtenverfahren im TSG mit deutlichen Worten:

Wichtigste Instanzen, die die Grenzen für transidente/transsexuelle Menschen definieren, sind die Kostenträger des Gesundheitssystems, die psychomedizinischen Disziplinen und der Gesetzgeber, der mit dem Transsexuellengesetz (TSG) die Modalitäten für eine Vornamens- und Personenstandsänderung ( und ) vorgibt. Das TSG ist seit 1981 in Kraft und trotz unermüdlicher Widerstände seither nicht reformiert worden. Es ist sträflich überaltet.” (S.160)

Güldenring zeigt in ihrem Aufsatz,

“dass die psychodiagnostischen Methoden jeder theoretischen Grundlage entbehren, die eine objektive Diagnostik geschlechtlichen Emfindens im Rahmen menschlicher Wahrnehmung zulassen würde. Diese fehlende Wissensbasis könnte u.a. Hintergrund für die sich über die Periode des TSG zunehmenden Verwicklungen und Rollenkonfusionen zwischen Medizin/Psychologie und Rechtssystem sein, die immer noch nicht offen diskutiert werden.” (S.160f).

Güldenring fährt fort:

“Die Fremddiagnostik […] wie sie im TSG-Verfahren praktiziert wird […] ist keinen Tag länger zu vertreten” (S.161f.)

Im Blick auf das TSG schreibt Güldenring, dass der Gesetzgeber

“nicht danach gefragt hat, ob diese >>transsexuelle Prägung<< Wertigkeit einer krankhaften oder seelischen Störung hat […]. Daraus ist zu schließen, dass ein Krankheitsaspekt […] für eine Entscheidung zur VÄ und PÄ nicht von Belang ist. Und obwohl nun der Krankheitsaspekt nicht von Belang ist, ist es in der TSG-Gutachtenpraxis zur Gepflogenheit geworden, […] nach der Lehre der Psychopathologe zu begutachten.” (S.162)

Das das TSG Verfahren von vielen transsexuellen Menschen als rein subjektive Willkür der Gutachter erlebt wird, bestätigt Güldenring ebenso:

“Geschlechtsbestimmung unterliegt gesetzlich delegiert der rein subjektiven Blickweise des/der Gutachter_in.” (S. 163)

und im Blick auf die Petition will ich besonders folgende Aussage von Anette Güldenring betonen:

“Krankheitswert ist im SGB zwingende Voraussetzung, im TSG nicht.” (S.165)

Um es auf den Punkt zu bringen: In der Petition geht es nicht um die Frage des Leidensdrucks bzw. Krankheitswerts von Transsexualität und damit nicht um die Frage, inwiefern man das SGB (Sozialgesetzbuch) ändern müsste…

Frage 8: Gefährdet eine Streichung des Gutachtenzwangs nicht die medizinische Behandlung transsexueller Menschen?
Antwort: Nein. Die Petition zielt nur auf eine Verbesserung der rechtlichen Seite (VÄ/PÄ). Im Blick auf medizinische Fragen gibt es noch viel Diskussionsbedarf und mir als transsexueller Frau ist es vollkommen klar und wichtig, dass transsexuelle/transidente Menschen auf alle Fälle weiterhin medizinische Hilfe und Unterstützung brauchen. Sowohl die ATME e.V. als auch STP arbeiten im Bereich der medizinischen Fragen an Alternativen zu bisherigen Konzepten. Diese sind aber nicht Gegenstand dieser Petition.

Frage 9: Sollte nicht das Bundesgesundheitsministerium (BMG) als Adressat der Petition angeschrieben werden?
Antwort: Die Petition geht in die Richtung, das für die rechtliche Anerkennung von Menschen die das TSG in Anspruch nehmen keine Gutachterpflicht mehr nötig ist. Damit ist das BMG aussen vor. Das BMJ ist bisher zuständig, weil die Verfahren bei der Justiz anhängig sind. Das soll durch die Petition indirekt auch geändert werden (d.h. man geht zum Amt vor Ort, wie wenn man heiraten will und deshalb einen neuen Ausweis braucht). Da dies alles in das zuständige PstG (Personenstandsgesetz) eingearbeitet werden kann ist das BMI der richtige Ansprechpartner. Da hier mehrere Ministerien ihre Zuständigkeit erklären könnten ist eine effektive Zusammenarbeit dieser nötig.
Der Petitionsausschuss leitet Petitionen an die richtigen Stellen, gerade wenn mehrere Adressaten zuständig wären. Davon abgesehen beschließt der Bundestag Gesetze und nicht einzelne Ministerien.

Frage 10: Welche Vorteile würde ein Erfolg der Petition bringen?
Antwort: Wenn die Voraussetzungen für eine VÄ/PÄ gesenkt werden, “würden nicht nur Gerichts-, Gutachtenkosten und therapeutische Ressourcen” (Güldenring, S. 172) eingespart werden, “sondern auch psychosozialer Stress und seine Folgen […]” (ebd.) minimiert werden.

Frage 11: Braucht es nicht 120.000 Unterschriften (Quorum), damit sich was bewegt?
Antwort: Nein. Jede Unterschrift zählt. Jede Unterschrift signalisiert, dass mündige Wähler eine Veränderung wollen und dafür eintreten. Bei Menschenrechtsorganisationen wird die Erfahrung gemacht, dass viele Kampagnen Verbesserungen für die betroffenen Menschen bewirken können, selbst wenn es nur einige hundert Unterschriften sind, die gesammelt werden können.

Frage 12: Wenn ich öffentlich unterschreibe – bekomme ich dann unerwünschte Mails von anderen, die die Petition unterschrieben haben?
Antwort: Nein, die Mailadressen sehe nicht einmal ich als Autorin der Petition. All denen, die im Blick auf Mailadressen vorsichtig sein wollen, kann man die Unterschrift auf einem heruntergeladenen Unterschriftenbogen empfehlen. Diesen kann man entweder selber wieder hochladen oder per Post an mich schicken und ich übernehme das dann (sofern die Zeichnungsfrist noch läuft).

Frage 13: a.) Ist die Petition Ergebnis der Arbeit einer bestimmten Gruppe?
b.) Hast Du die Petition gestartet, um selber einen Vorteil zu haben?
Antwort:
a.) Diese Petition ist von mir selber formuliert worden. Ich spreche nicht stellvertretend für eine Gruppe, auch wenn es in der TS-Basisarbeitsgruppe eine Abstimmung über die Hauptforderungen gab, deren Umsetzung sich viele transsexuelle Menschen seit langem wünschen. D.h. ich habe eine Forderung aufgegriffen, die in vielen Forderungskatalogen steht – aber auf Grund vieler Diskussionen und offener Fragen wollte ich mich auf genau diesen einen Aspekt konzentrieren, der unter transsexuellen Menschen weitgehend unumstritten ist als Hauptforderung.
b.) Die Petition betrifft mich selbst nicht mehr. Ich habe das ganze Gutachtenverfahren hinter mir und seit 1.8.2014 ganz amtlich einen neuen Personalausweis, wie man im Artikel der Neuen Westfälischen sehen kann. Ich engagiere mich ehrenamtlich für die nächste Generation transsexueller Menschen. Ich bin der Meinung, dass unsere Demokratie von Beteiligung und Veränderung lebt und ich hoffe, dass Politiker und Wähler Gesetze und Formulierungen in Gesetzen, die sachlich nicht gerechtfertigt sind und Menschen belasten statt ihnen helfen, ändern, falls dazu Signale aus der Bevölkerung kommen.

Frage 14: Befürwortest Du Gender-Zentren und Fremdbestimmung durch sogenannte “Gender-Spezialisten” bzw. den DSM5?
Antwort: Nein – das habe ich auch nie gesagt. Das hat aber auch mit der Petition nichts zu tun. Gender-Zentren sind m.W. Resultat einer bestimmten Gesundheitspolitik, haben aber mit der Petition gar nichts zu tun. Ebenso trete ich gegen Fremdbestimmung aktiv ein und habe genau aus diesem Grund die Petition gestartet, damit im rechtlichen Bereich mehr Freiheit und Selbstbestimmung für transsexuelle Menschen Realität wird.

 

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Petition gestartet – bitte lesen und prüfen

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

Vielen sind ja einige Forderungskataloge transsexueller Menschen bekannt. Eine Hauptforderung ist die Vereinfachung des Vornamens- und Personenstandsrechts im Blick auf transsexuelle Menschen. Ein Personalausweis kostet derzeit für transsexuelle Menschen weit mehr als für andere Menschen (die z.B. heiraten). Das liegt an den teuren Gutachten. Dazu habe ich nun eine Petition gestartet, die man hier lesen und zeichnen kann… Auf einige Fragen zur Petition habe ich in meinem Beitrag FAQ zur Petition geantwortet.

Es wäre schön, wenn transsexuelle Menschen (warum ich diesen Begriff verwende? Dazu mehr hier) auch die in ihrem Umfeld darauf hinweisen (per facebook, Twitter, Mail / eigener Blogbeitrag / Inserat mit Kurz-Link in der Lokalzeitung / Unterschriftenliste ausdrucken / Plakat verteilen), die nicht transsexuell sind, denn nur so werden genügend Unterschriften zustande kommen…

Wer mehr zu mir wissen will: Hier gibt es einen Film über A. Nagel und mich, der unter dem Titel “Brückenschlag” am 20.11.2014 ausgestrahlt wurde in der Mediathek des BR… – darin kommt auch meine Kritik an dem bisherigen System ein wenig zur Sprache
und hier gibt es einen Artikel im Portal von evangelisch.de.
Ebenso findet man im Web einen Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2013, als ich mich in der Kirchengemeinde geoutet habe. Auch bei IDOWA gab es zwei Artikel (hier und hier) über das Coming out. Seit heute (4.12.2014) findet man mich auch bei Twitter: https://twitter.com/DoroAufwind2012.

Ich selbst habe dieses Gutachtenverfahren und die Änderung meiner Papiere hinter mir und handele nicht im Blick auf einen eigenen Vorteil, sondern weil ich das Verfahren für überflüssig und ungerechtfertigt halte.
Psychologen und Psychiater sollten sich darauf beschränken, Menschen zu helfen, die freiwillig zu ihnen kommen und Hilfe/Therapie suchen und auf die wenigen Personen, die andere durch eine psychische Erkrankung gefährden und deshalb ggf. einen Betreuer brauchen. Solange aber keine Betreuung angeordnet ist, sollten grundlegende Freiheitsrechte (“freie Entfaltung der Persönlichkeit”) nicht durch Gutachterverfahren qua Gesetz eingeschränkt sein.

Deshalb bitte ich Sie um Ihre Unterschrift und einen Hinweis auf diese Internetseite, damit mehr Menschen mitmachen…

Vielleicht schaltet ja jemand ein Inserat oder schreibt einen kleinen Text zum Thema für eine Lokalzeitung bzw. bloggt selber? Der Kurzlink zu dieser Website (für die Zeit der Petition) lautet:  http://kurz-link.de/TSGPetition
DANKE!
Dorothea Zwölfer

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