eine wichtige Petition für TS/TI/TG befindet sich

derzeit in der Mitzeichnungsphase bei den epetititionen an den deutschen Bundestag. Man findet sie hier: https://epetitionen.bundestag.de/…/_…/Petition_64664.nc.html

Die Psychiatrisierung von transsexuellen Menschen bzw. die Einstufung als psychische Krankheit lässt sich medizinisch nicht rechtfertigen (wie man auf der Internetseite der internationanen interdisziplinären Konferenz zum Thema Transsexualität nachlesen kann, die im Februar 2016 an der Goethe Universität Frankfurt stattfand). Diese Einstufung erklärt sich aus der Geschichte – auch aus der Geschichte der NS-Zeit und der Meinung, dass nur diejenigen sich fortpflanzen sollten, die kein „lebensunwertes Leben“ haben. Menschen, die man als „lebensunwert“ einstufte, wurden der „Aktion T4 zugeführt“ – also ermordet. Das traf viele Menschen mit Handycap – und eben auch transsexuelle Menschen. Darum ist es so wichtig, dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte offenzulegen und nicht mehr länger Rücksicht auf die Interessen der Täter zu nehmen, sondern die Geschichte im Sinne der Opfer aufzudecken.

Zwar brauchen transsexuelle Menschen medizinische Hilfe im Sinne präventiver Unterstützung (ähnlich wie Frauen mit einer Risikoschwangerschaft), aber dafür würde es vollkommen ausreichen, wenn man Transsexualität im SGB V als eigenes Kapitel einführt und dafür sorgt, das auf diese Weise ähnlich wie bei einer Risikoschwangerschaft (die ja auch keine Krankheit im pathologischen Sinn ist) durch Mediziner geholfen werden kann (und auch entsprechend abgerechnet werden kann). Die DGTI e.V. hat ja erst vor kurzem einen entsprechenden Forderungskatalog veröffentlicht, den ich hier auch im Volltext zitiert habe.

Ich habe diese Petition heute unterschrieben und lade dazu ein, sie ebenfalls mitzuzeichnen!

P.S. Auch diese Petition für mehr Menschenrechte halte ich für sehr wichtig: https://www.openpetition.de/petition/online/menschenrechte-vor-profit

 

Veröffentlicht unter Bildung, Recht, TS | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

eine Videodokumentation der IMAG

informiert über den letzten Fachaustausch vom 29.6. zum Thema „Beratungs- und Unterstützungsbedarfe für transsexuelle/trans* Menschen und ihre Angehörigen in verschiedenen Lebenssituationen“. Die Aufzeichnung des Livestreams zur Veranstaltung ist nun in drei Teilen abrufbar. Link zur entsprechenden Website des BMFSFJ hier.

 

Veröffentlicht unter Bildung | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

es gibt einen aktuellen Forderungskatalog der dgti

und einen wichtigen Beitrag zum UN Menschenrechtsrat auf der Internetseite der dgti vom 1.7.2016, (verlinkt beim transalliance projekt Beitrag vom 2.7.) den ich in voller Länge zitieren will:

————————–

Der UN Menschrechtsrat hat am heutigen Tag die Resolution A/HRC/32/L.2/Rev.1 verabschiedet und damit auf historisch bemerkenswerte Weise zu den Grund- und Menschenrechten von LSBTTIQ* Menschen Stellung bezogen.

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (kurz dgti e.V.) begrüßt ausdrücklich die Resolution A/HRC/32/L.2/Rev.1 des UN Menschenrechtsrates vom 1. Juli 2016. Nach der richtungsweisenden Ansprache Hillary Clintons im November 2011 vor der UN Vollversammlung, in der Clinton klar betonte, dass die Menschenrechte für jeden Menschen gelten, ungeachtet der sexuellen Orientierung, ist die heutige Resolution der lange überfällige nächste Schritt. In fast keinem Land der Erde werden die Menschenrechte von LSBTTIQ* Menschen vollständig geachtet oder gar unter besonderen Schutz gestellt – auch nicht in Deutschland.

Nach wie vor werden, auch in Deutschland, intersexuell geborene Kinder vor ihrer eigenen Entscheidungsfähigkeit und ohne dringende medizinische Notwendigkeit operativ geschlechtlich zwangs-zugewiesen. Ein klarer Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die individuelle freie Entfaltung der Persönlichkeit. Trans* und transsexuelle Menschen müssen sich vor dem Gesetz als psychisch gestört erklären lassen, um ihrer Geschlechtsidentität entsprechende rechtliche Anerkennung in Form von Ausweispapieren zu erhalten.

Der staatliche Diskriminierungsschutz für alle LSBTTIQ* Menschen erstreckt sich lediglich auf klare Straftatbestände und wirtschaftlichen Schaden. Der deutsche Gesetzgeber ist, dies ist leider zu konzedieren, sehr zurückhaltend, wenn nicht sogar fahrlässig nachlässig. Das allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) vom April  2013 implementiert gerade eben den durch die Europäische Kommission vorgegebenen Mindeststandard.

Die dgti e.V. fordert den deutschen Staat und im Besonderen die deutsche Bundesregierung dazu auf:

  1. Unverzügliche Abschaffung der zweifachen psychologischen Begutachtung und damit der gutachterlichen Feststellung einer psychischen Störung transsexueller Menschen als Voraussetzung zur rechtlichen Anerkennung der persönlichen geschlechtlichen Identität (Transsexuellengesetz (TSG) §4(3)).
  2. Gesetzliches Verbot geschlechtlich zuweisender Operationen oder anderer somatischer Maßnahmen an intersexuellen Menschen vor ihrer Einwilligungsfähigkeit.
  3. Verankerung des Rechts auf medizinische Versorgung für trans* und transsexuelle Menschen im Sozialen Gesetzbuch (SGB).
  4. Staatliche Anerkennung und gesetzliche Verankerung des besonderen Schutzes von Menschen auf Grund ihrer persönlichen geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung. Dieser Schutz muss zwingend alle Lebensbereiche umfassen, nicht nur wirtschaftlich relevante Gebiete, wie sie derzeit das AGG umfasst.
  5. Aufnahme der geschlechtlichen Identität und sexueller Orientierung als besonders zu schützende Güter in das Grundgesetz – so wie es Malta im April 2015 beispielhaft implementierte.
  6. Explizite Erweiterung des §46 Strafgesetzbuch (STGB), zur Strafverschärfung bei Straftaten, die auf Grund der geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung verübt wurden, sogenannte Hassverbrechen.

Die dgti e.V. fordert den deutschen Staat auf, insbesondere alle staatlichen Institutionen und Behörden aufzuklären und Diskriminierungssituationen unverzüglich abzubauen. Ausschließliche Anreden „Herr / Frau“ in Anschreiben und Formularen diskriminieren aktiv und strukturell durch ihre zweigeschlechtlichen Vorgaben und
Zwangszuordnungen. Fehlende Aufklärung aller staatlichen Stellen führt immer wieder zu diskriminierenden Situationen, in denen die persönliche geschlechtliche Identität der Bürger_innen nicht geachtet wird. Wir fordern den deutschen Staat auf, schnell zu handeln. Grund- und Menschenrechte dulden keinen Aufschub.

—–

Ich finde diesen Forderungskatalog sehr wichtig und schließe mich den Forderungen inhaltlich an.

Veröffentlicht unter Bildung, Recht, TS | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Neues von der IMAG: Beratungs/Unterstützungsbedarf für transsexuelle/trans* Menschen…

die IMAG bzw. eine beauftragte Arbeitsgruppe im Bundesfamilienministerium tagt am Mittwoch und lädt alle Interessierten ein, die Besprechung via online-Livestream zu verfolgen:
—–

Sehr geehrte Interessierte am Fachaustausch „Beratungs- und Unterstützungsbedarfe für transsexuelle/trans* Menschen und ihre Angehörigen in verschiedenen Lebenssituationen“,

der am kommenden Mittwoch im Bundesfamilienministerium Berlin stattfindende Fachaustausch wird in voller Länge per Livestream von 11:00 bis 16:30 Uhr im Internet übertragen. Um die Veranstaltung auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums mitverfolgen zu können, klicken Sie während dieses Zeitraums bitte hier. <http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie,did=225986.html>

Geben Sie diese Information gern an Ihnen bekannte mögliche Interessierte weiter!

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Tilman Agena

_______________________________________________________

Referat 108 – Veranstaltungsmanagement Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
——————————————————————————————————–
Ich bin gespannt, ob die medizinischen Leistungen, die wir transsexuelle / transgeschlechtliche / transidente Menschen brauchen, auch Thema werden und hoffe, dass man später alles in einem ausführlichen Protokoll (!?) nachlesen kann. Schließlich hat nicht jeder, der berufstätig ist, die Möglichkeit, diese Konferenz tagsüber online zu verfolgen (auch wenn das Angebot eine gute Idee ist).

Veröffentlicht unter Bildung | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

es gibt keine guten Alternativen

zur evidenzbasierten Medizin und Forschung – denn wer meint, alternative Verfahren seien automatisch besser, der sollte sich diesen Film ansehen:

Krebs – Das Geschäft mit der Angst
Gefährliche Folgen alternativer Behandlung

Mi. 1.6., 20.15 Uhr, SWR

Mehr zum Film hier auf tvinfo oder in anderen Programmzeitschriften…

Was ist die Alternative zu angeblich alternativen Heilverfahren? Immanuel Kant sagte einmal:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
(Quelle: Spiegel online, Projekt Gutenberg)

Darum ist es gut, sich seines Verstandes zu bedienen und sich über evidenzbasierte Medizin zu informieren. Ein sehr lesenswertes und gut verständliches Buch, das man als Grundlage verwenden kann, hat den Titel: Epidemiologie für Dummies (Hrsg.: Jürgen Breckenkamp, Oliver Razum und Patrick Brzoska). Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler schrieb hier bei socialnet eine sehr lesenswerte Rezension des Buches, der ich aus eigener Lektüre nur zustimmen kann. Man bekommt durch dieses Buch die Grundlagen vermittelt, wie seriöse Forschung bzw. Studien dafür sorgen können, dass in der wissenschaftlichen Medizin Scharlatane wenig Chancen haben.
Wer verstanden hat, welche Bedeutung Kohortenstudien für die Frage nach „Ursache“ und „Wirkung“ haben, der wird sehr skeptisch im Blick auf manche angeblichen Heilungserfolge. Schließlich hat ja auch der Klapperstorch und die Geburtenrate keine kausalen Zusammenhang, obwohl man entsprechende tolle Grafiken gut konstruieren kann, die einen „wissenschaftlichen Beweis“ für diese Zusammenhänge liefern – aber in Epidemiologie für Dummies kann man sehr plastisch nachlesen, wie solche „Studien“ getürkt werden können (vgl. S. 249-251). Auch die Frage, ob „fernsehen dick“ (S.252) macht oder „Kaffee krebserregend“ (S.253) ist und was das mit dem Schlagwort „Confounder“ zu tun hat, findet man in diesem Buch sehr plastisch beschrieben. Ebenso wird Sir Archibald Leman Cochrane und die nach ihm benannte Cochrane Collaboration erwähnt und in ihrer Bedeutung für das Gesundheitswesen gewürdigt (vgl. S.327). Ich habe andernorts in diesem Blog mehr zu Cochrane (und GRADE) geschrieben (s. Suche oben rechts bzw. Schlagwortwolke).

Es wäre sehr hilfreich für die Gesellschaft, wenn Juristen und Theologen, die sich mit dem Bereich Public health/Gesundheitswesen/Diakonie/Heil/Heilung auseinandersetzen, sich auch mit der evidenzbasierten Medizin beschäftigen bzw. Fortbildungen dazu bekommen bzw. organisieren.

 

Veröffentlicht unter Bildung, Medien, Recht | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Kirche

ist Thema eines Interview des Deutschland-Radio-Kultur mit Friedemann Bringt, der Projektleiter der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus ist. Ich hatte in einem anderen Artikel in diesem Blog (Professoren-Rätsel) bereits über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und die Arbeit der Bielefelder Professoren Heitmeyer und Zick gebloggt.
Pfingsten macht deutlich: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit passt nicht zu Gottes Heilswillen für alle Menschen. Der Prophet Joel wurde von Gott beauftragt, die Ausgießung des Heiligen Geistes auf „alles Fleisch“ (vgl. Joel 3,1-5 und einen lesenswerten Kommentar dazu von Dr. Jörg Sieger) anzukündigen. Das geschah an Pfingsten. Die Grenzen zwischen den Völkern wurden relativiert. Gottes Geist sorgte und sorgt für eine Überwindung von Sprach- und Kulturgrenzen, sowie sozialer Grenzen („Knechte/Mägde“ bekommen genauso Gottes Geist!) (vgl. Apg 2,1-18).
In diesem Sinn wünsche ich allen Leser*Innen und Lesern frohe Pfingsten!

 

Veröffentlicht unter Bildung, Glauben und leben..., Soziales, TS | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

ein hervorragender Beitrag der ARD

zum Umgang mit Statistiken und Versuchen der Pharmalobby, diese in ihrem Sinn zu beeinflussen, findet man derzeit hier in der ARD Mediathek:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Im-Land-der-L%C3%BCgen/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=34622130

Der Beitrag ist besonders auch deshalb wichtig, weil Lobbyisten immer wieder neu versuchen, Menschen für dumm zu verkaufen – z.B. durch Grenzwerte (Methode: Grenzwertsenkung bringt neue Patienten) und Studien, die kommerziell gesponsort sind – 94 Prozent waren (so der Beitrag) von der Pharmaindustrie gesponsort. Das kostet die Bürgerinnen und Bürger nicht nur viel unnötiges Geld, sondern ist oft auch im Blick auf die Gesundheit problematisch: Wer zu viele unnötige Medikamente nimmt (weil er/sie sich nicht informiert, wie der Medizinbetrieb tickt und was Cochrane und GRADE dazu sagen), der hat auch viele unnötige Nebenwirkungen zu riskieren.

Darum empfehle ich als Einführung in eine kritische Sichtweise des Medizinbetriebs bzw. der Lobbyisten einen Artikel von Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes (Cochrane Deutschland): „Big Data und Personalisierte Medizin: Goldene Zukunft oder leere Versprechungen?“ – er erschien im Ärzteblatt und ist gut verständlich geschrieben. Danke, Prof. Antes!

Veröffentlicht unter Bildung, Gesundheit, Medien | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die IMAG hat Gutachten zum TSG

und der damit verbundenen Praxis der Begutachtung in Auftrag gegeben. In der Petition haben wir ja die Abschaffung der teuren Gutachtenpraxis und des entsprechenden Satzes im TSG (Transsexuellengesetz) gefordert.

Nun gibt es eine Umfrage der Humboldt Universtität Berlin (Lehrstuhl für Öffentliches Recht & Geschlechterstudien), damit eines der beiden Gutachten zum Thema

>>„Regelungs- und Reformbedarf für transsexuelle/-geschlechtliche Menschen“ erstellt werden kann. Auftraggeberin dieses Gutachtens ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Teil der Interministeriellen Arbeitsgruppe „Intersexualität/Transsexualität“. […] Konkret wird ein Gesetzentwurf erarbeitet werden, mit welchem das derzeit geltende „Transsexuellengesetz“ reformiert bzw. ersetzt werden könnte.<<

Herzliche Einladung, an dieser Umfrage teilzunehmen!

Veröffentlicht unter Recht, TS | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Manchmal ist die Schweiz ein Vorbild + Androcur-Review

jedenfalls dann, wenn man liest, wie dort Gesundheitspolitik rational und bildungsorientiert Menschen den Zugang zu zentralen medizinischen Informationen ermöglicht. Seit kurzem ist es nämlich für die Bürger der Schweiz möglich, bei Cochrane kostenfrei zu recherchieren und die Datenbank von Cochrane zu durchforsten. Wie wäre es, wenn unsere Gesundheitspolitiker sich auch dafür stark machen, dass jeder Bundesbürger Zugang zur Cochrane-Datenbank bekommt? Und wie wäre es, wenn man ein deutschsprachiges Pubmed-Angebot unterstützt, d.h. einen Übersetzungsdienst für Pubmed zusammen mit den USA organisiert, damit alle dortigen Studien auch in deutscher Sprache lesbar sind? Auch für transsexuelle/transidente Menschen und Transgender, die med. Hilfe (HRT…) suchen, braucht es gute Forschung. Die internationale, interdisziplinäre Konferenz in Frankfurt war ein wichtiger Beitrag dazu.

Angesichts vieler Krankheiten wird ja oft spekuliert, was wirklich hilft. Cochrane und GRADE (Grade Working Group) sind im Blick auf Krankheiten bzw. Therapieverfahren so etwas wie der TÜV der Medizin.
Nebenbei: Dr. Iris Hinneburg hat eine sehr informative Übersicht bzw. eine Einführungsserie zur Arbeit von GRADE in ihrem Blog veröffentlicht, die ich all denen empfehle, die nach einer allgemeinverständlichen Einführung in die Arbeit von GRADE suchen.
Die bei Cochrane in der Datenbank aufgenommenen Studien und die von GRADE entsprechend eingestuften Arbeiten sind unabhängig von Lobbyisteninteressen und daher besonders wichtig für die Allgemeinheit – zum Beispiel im Blick auf die Frage, welche Ursachen Diabetes (Typ 2) hat – oder welche Unterstützung TS/TI/TG brauchen und was medizinisch gesehen hoch riskant ist (z.B. die Verschreibung von CPA) und daher nicht empfehlenswert. Um Forschungsergebnisse lesen zu können, braucht es ZBMed (#keepzbmed)! Daher sollte man die Schließung von ZBMed verhindern und sich informieren!

Die evidenzbasierte Medizin ist auch in vielen anderen Bereichen der Gesundheitspolitik zu fördern. Denn manches, was in Apotheken verkauft wird (z.B. Globuli / Homöopathie) und manche „alternativen Heilverfahren“ entsprechen in keinster Weise den Heilsversprechen, die von Lobbyisten und Marketingexperten vollmundig gegeben werden. Wie stark der Einfluss von Lobbyisten auch auf Ärzte ist, sieht man an einem Beitrag der Tagesschau-Redaktion von heute – dem Tag, an dem ein Gesetz gegen Korruption im Gesundheitswesen im Bundestag verabschiedet werden soll. Der Tagesspiegel berichtete ausführlich, wie Parteien das Gesetz entschärft haben – anscheinend ist auch dort der Einfluss von Lobbyisten weiterhin groß:

„Die Verletzung heilberufsrechtlicher Unabhängigkeitspflichten sollte plötzlich nicht mehr geahndet werden.“, so der Tagesspiegel.

Die Aachener Zeitung zitierte den Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch mit den Worten:

„Was zum Schutz der Patienten gedacht war, entpuppt sich jetzt als Wettbewerbsstärkungsgesetz für Pharmaunternehmen, Ärzte und Apotheker. Patienten müssen weiter fürchten, korruptem Verhalten ausgeliefert zu sein”

Vielleicht wäre es ja hilfreich, wenn das Consumer Netzwerk von Cochrane und Stiftungen, die Bildungsarbeit fördern, dazu beitragen, dass Bürgerinnen und Bürger in unserem Land zum Beispiel in Volkshochschulkursen etwas über evidenzbasierte Studien und die Art, wie Cochrane kritisch Studien prüft, erfahren und in die Bildungspläne der Länder das Thema „evidenzbasierte Forschung und ihre Bedeutung für die Bürger_Innen“ aufgenommen wird? Sehr konkret arbeitet inzwischen trans-evidence im Bereich der evidenzbasierten Medizin, denn trans-evidence hat ein

Androcur-Review bei Cochrane registriert.

Die Trans-Evidence Gruppe hat ein neues Review-Projekt aufgesetzt. Ziel dieses Projekts ist die Überprüfung des Nutzens und der Risiken von Androcur bei transitionierenden transsexuellen Frauen im Rahmen der HRT. Ein entsprechendes Projekt war bei der Cochrane Collaboration an der Universität Oxford (GB) beantragt worden. Die zuständige Reviewgroup in Oxford hat das Projekt anerkannt und als Cochrane-Review-Projekt registriert. Besondere Anerkennung fand beim beim Schweizer Cochrane-Zentrum (welches das Projekt fachlich beratend mitbetreut), dass die Mehrheit der Review-Projektmitarbeiter_innen selbst Betroffene sind und dass hauptsächlich Menschen aus der Transcommunity dieses Projekt gestalten. Sexologische Fachgesellschaften sind bei diesem Projekt nicht involviert.
Das Ziel von Trans-Evidence ist grundsätzlich die Entwicklung einer evidenzbasierten Medizin primär zum Nutzen für transsexuelle Menschen, abseits und unabhängig von traditionellen, eminenzbasierten sexualpsychiatrischen Intentionen und Aktivitäten. In Zukunft wird – vorangetrieben durch aufgeschlossene international vernetzte universitäre Arbeitsgruppen (unter Beteiligung der Transcommunity) – eine Reihe von evidenzmedizinischen Projekten abgearbeitet, um der Transforschung im Sinne der evidenzmedizinischen Anliegen der Betroffenen neue Impulse zu geben. Darunter werden sich auch Projekte mit primär ethischen Fragestellungen befinden, z.B. bezüglich des sog. Alltagstests oder der sexualpsychiatrischen Doppelbegutachtung. Auch die medizinische Dienste von Krankenkassen werden zunehmend fachlich reflektieren dürfen, ob und inwiefern das uneingeschränkte Festhalten an eminenzbasierten „Richtlinien“ dem evidenz- und versicherungsmedizinischen State of the Art entspricht.
Auch dieser Cochrane-Review stellt quasi die evidenzbasierte Ouvertüre zu einer Wende im wissenschaftlichen Diskurs rund um medizinische Transthemen dar.

Veröffentlicht unter Bildung, Gehirn, Gesundheit, Kongress | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

über die Bedeutung von Progesteron und epigenetischen Schaltern

kann man hier in Welt online einen interessanten Artikel finden. Spannend ist auch, dass es anscheinend epigenetische Schalter gibt, die im Blick auf das Stillen von Babys eine wichtige Rolle spielen. Den gesamten Artikel findet man in englischer Sprache / in english hier/here.

Zur zentralen Rolle des bioidentischen Progesterons bei der Hormonersatztherapie findet man hier einen ausführliches Interview, das Prof. Dr. Ingrid Gerhard (Fachärztin für Gynäkologie) mit der Frauenärztin Dr. Hildegard Faust-Albrecht führte.
Unter anderem wird dort auf das Phänomen der Östrogendominanz und der damit verbundenen Beschwerden eingegangen. Ebenso werden die positiven Wirkungen bei Hashimoto und Urge-Inkontinenz dargestellt.
Die positiven Wirkungen von bioidentischem Progesteron werden auch in diesem Artikel der Ärztin Dr. med Angelika Höflich dargestellt (auch zum Thema Thrombosrisiko, das durch bioidentisches Progesteron gesenkt wird). Auch bei der Behandlung transsexueller Frauen gibt es inzwischen positive Erfahrungsberichte mit bioidentischem Progesteron, während Androcur (CPA) immer wieder neu negative Schlagzeilen macht und auch in einem offiziellen Arzneimitteltelegramm aufgefallen ist.

Wer sich etwas genauer zum Thema bioidentische Hormone / Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen informieren will, dem empfiehlt sich ein Blick auf die Internetseite von Prof. Dr. Alexander Römmler. Dort findet man z.B. auch Informationen über vielfältige Wirkungen von Progesteron auf Gehirn, Nervensystem und Psyche. Die Hormone Pregnenolon, Progesteron, Allopregnanolon, Dehydroepiandrosteron (DHEA) und deren Metabolite Östradiol und Testosteron spielen eine entscheidende Rolle bei der Neurogenese, d.h. sind im Blick auf Alterungsprozesse im Gehirn signifikant wichtig, wie Prof. Dr. Römmler schreibt.

Update: Als Einstieg zum Thema „bioidentisches Progesteron“ fand ich das Buch „Die Hormonrevolution“ des Arztes Dr. Michael E. Platt sehr hilfreich. Für alle, die zum Thema Fragen haben, ist das Forum bioidentische Hormone (Betreiber VAK Verlag) vielleicht weiterführend bzw. das Internetportal bioidentische Hormone

 

Veröffentlicht unter english, Gehirn, Gesundheit, TS | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen